Meinung : „Der Versuch, uns ein Recht abzukaufen“

Christoph Schmidt Lunau

Seine Kurzbeschreibung ist über Nacht landesweit bekannt geworden: Thomas Braun, 43, Landesvorsitzender der Freien Wähler Hessen. Er behauptet, Ministerpräsident Roland Koch, CDU, habe versucht, ihn mit Geldzusagen von einer Landtagskandidatur abzuhalten.

Und sonst? Mit 15 Jahren Mitglied der Jungen Union, mit 19 für die CDU im Ortsbeirat, mit 20 rückt er als Stadtverordneter nach. Er studiert Jura, wird Rechtsanwalt, hat zwei Kinder. So weit ähneln sich die Biografien der Gegenspieler. Doch während der eine zum hessischen Ministerpräsidenten aufsteigt, scheitert der andere als Bürgermeisterkandidat des Taunusstädtchens Bad Soden. Sind Brauns Vorwürfe gegen den mächtigen Ex-Weggefährten, der ihm einst das freundschaftliche „Du“ anbot, ein „Rachefeldzug“, wie es Koch inzwischen nahe legt?

Als grundsolide schildern Braun dessen Kollegen. Die Haare ordentlich nach hinten gekämmt, ein unauffälliger gepflegter Oberlippenbart, stets mit Schlips und Anzug bekleidet: Er tritt als unaufgeregter Sachwalter auf. Unermüdlich argumentiert er gegen die Benachteiligung der Freien Wähler, weil sie von der Parteienfinanzierung ausgeschlossen seien.

Nach dem Krach mit seiner Partei, die ihm einen auswärtigen Bewerber vorzog, war er 2002 aus der CDU ausgetreten und hatte sich den Freien Wählern angeschlossen. Als Landesvorsitzender organisierte er eine Mehrheit für eine Landtagskandidatur dieses Dachverbands, der nach CDU und SPD die drittstärkste kommunalpolitische Kraft in Hessen ist, mit 120 Bürgermeistern und 1500 Mandatsträgern in Städten und Gemeinden. Die CDU, Brauns Ex-Partei, nennt seine Vorwürfe abstoßend und intrigant. Doch Braun bleibt gelassen. „Das war alles so, wie ich es dargestellt habe.“ Mehr Emotion zeigt er nicht.

Der Ministerpräsident und sein Innenminister wollen heute vor den Landtagsausschüssen Brauns Vorwürfe restlos ausräumen. Mit „solchen Leuten“ werde die CDU fortan nicht mehr reden, erklärte die Parteisprecherin, nachdem die Freien Wähler bei ihren Vorhaltungen geblieben waren. Es mag sein, dass die Partei jedenfalls diese Ankündigung korrigieren muss. Sollten die Freien Wähler 2008 in den Landtag einziehen und für eine Mehrheitsbildung gebraucht werden, müssten Koch und Braun wohl wieder miteinander reden. Ob ihn der Ministerpräsident dann wieder mit Vornamen anredet?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben