Meinung : Der wahre Tony

LABOUR IN BLACKPOOL

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Es gab einmal einen Tony Blair, von dem es hieß, er sei das Werk seiner spin doctors – ein reines Geschöpf der Medien und der Umfragen. Zu Beginn von Blairs erster Amtszeit mögen diese Etiketten ihre Berechtigung gehabt haben. Nie waren sie allerdings so fehl am Platz wie heute. Der „phoney Tony“, der falsche Tony, als den ihn die Opposition zu entlarven suchte, hat seine Maske abgenommen und offenbart uns beim Labour-Parteitag in Blackpool: Einen Mann, der seinen eigenen Weg geht, notfalls gegen die eigene Partei, notfalls gegen Saddam Hussein, notfalls sogar gegen die eigene Bevölkerung. Diese Art von Prinzipientreue wirkt fremd in Deutschland, das nur mühsam in der Nach-Wahlkampf-Wirklichkeit ankommt. Aber Blairs geradliniger Kurs ist nicht nur auf den Irak beschränkt, sondern auch auf die britische Innenpolitik. Der britische Regierungschef will die Liberalisierung im Gesundheitssystems vorantreiben und staatliche Zwänge im Bildungswesen abbauen. Vor allem lässt es Blair, wie seinerzeit Margaret Thatcher, auf eine Machtprobe mit den Gewerkschaften ankommen. Diese Konfrontation braucht der Premier allerdings nicht zu fürchten: Konsens ist in Großbritannien, anders als in Deutschland, keine Pflicht. ame

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