Meinung : Der Wurzeln beraubt

Von Tissy Bruns

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Den einen ist es zu viel, den anderen zu wenig. Soll homosexuellen Paaren das allgemeine Adoptionsrecht zustehen, wenn sie sich als Lebenspartner amtlich eintragen lassen? Das will die FDP, das wollen die schwullesbischen Interessenverbände. Die rot-grüne Mehrheit im Bundestag hat gestern einen kleineren Schritt getan. Gleichgeschlechtlichen Paaren soll die StiefkindAdoption ermöglicht werden: Das leibliche Kind des einen Partners kann vom anderen adoptiert werden.

Den Unionsparteien und den Kirchen geht dieser Schritt viel zu weit. Sie werden gern leichthin beiseite geschoben werden, wenn es um die Emanzipation der Homosexuellen geht. Das ist verständlich, denn lange waren die Argumente von Kirchen und C-Parteien vom Ressentiment geprägt. Beim Adoptionsrecht geht es aber nicht um den Abbau von Diskriminierung Erwachsener, ob sie nun schwul, lesbisch, schwarz oder weiß sind. Sein Ausgangspunkt ist die Fürsorge für das Kind. Natürlich können Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen glücklich aufwachsen. Das ist tausendfach bewiesen. Trotzdem spricht ein zentrales Recht jedes Kindes gegen die Stiefkindadoption in homosexuellen Beziehungen: Nämlich das auf die Kenntnis der Herkunft. Lebenspraktisch werden Stiefkind-Adoptionen in schwulen Beziehungen kaum stattfinden. Sie bedürfen der Einwilligung der leiblichen Mutter, die nur selten erteilt werden dürfte. In lesbischen Partnerschaften ist diese Adoption leicht möglich. Denn Vaterschaft kann verheimlicht werden. Kein Staat kann Mütter zwingen, den Vater zu nennen. Aber darf es Müttern von Staats wegen ausdrücklich ermöglicht werden, Kindern ihre Herkunft zu verbergen? Diese Diskussion wird auch über Babyklappen und anonyme Geburt geführt, leider erst nachdem Rot-Grün weit vorgeprescht war. Es leiden genug Menschen unter einer ungewissen Herkunft, denen niemand helfen kann. Wo der Staat kann, hält er bisher den Weg offen: Das adoptierte Kind kann seine leiblichen Eltern finden. Mit der Stiefkindadoption trägt der Staat dazu bei, Kinder ihrer Herkunft zu enteignen.

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