Deutsche Bahn : Wo die Preise stabil sind

Die Lage ist nahezu aussichtslos: Nicht nur der Winter, sondern auch wild gewordene Müllmänner bedrohen die Deutsche Bahn. Umso erstaunlicher, dass die Preise stabil bleiben sollen, wenigstens im Fernverkehr, und wenigstens ein paar Monate lang.

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Unser Autor Harald Martenstein. Foto: ddp
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Eine der größten politischen Sensationen der vergangenen Wochen bestand in der Ankündigung der Bahn, ihre Preise im nächsten Jahr nur im Nahverkehr zu erhöhen. Im Fernverkehr bleiben die Preise stabil, zum Teil über viele Monate! Zwar gibt es in Deutschland Firmen, die ihre Preise manchmal über mehrere Jahre stabil halten. Aber von der Bahn hätte niemand einen solchen Schritt erwartet.

In einem Interview erklärte Bahnchef Grube, dass Bahnkunden keine voreiligen Schlüsse ziehen dürften. Vor allem dürften sie nicht darauf hoffen, dass die Züge pünktlich fahren oder funktionieren. Wörtlich: „Es wird weiterhin Herausforderungen geben, und zwar nicht nur im Winter“ – den Winter kann man eh vergessen! –, „sondern mindestens noch rund drei Jahre.“ 25 Zeilen später im gleichen Interview sagte der Bahnchef: „Bis 2014 werden die Kunden gelegentlich mit Einschränkungen rechnen müssen.“ Da habe ich nachgerechnet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es bis 2014 nicht drei Jahre voller Herausforderungen sind, sondern sogar vier. Ich stelle mir dann den Besitzer einer Currywurstbude vor, der seine Friteuse nicht gewartet hat, jetzt sagt er, dass er bis 2014 seine Currywürste gelegentlich kalt servieren muss. Zum Ausgleich für diese Herausforderung würde er die Preise 2011 nicht erhöhen, aber nur für die Würste, die in die Wohnung geliefert werden. Im Nahverkehr wird die Wurst teurer.

Bisher dachte ich, dass an den Zügen etwas mit den Rädern nicht stimmt, oder den Radsätzen, und mit den Klimaanlagen, sowie den Heizungen und den Toiletten, außerdem regnet es hinein, die Schienen sind zu alt und die Weichen sind nicht wetterfest. Wenn man das alles in den Griff bekommt, dann läuft es wieder recht gut. Nun sagt der Bahnchef: „Weitere Züge fallen aus, weil zum Beispiel ein Müllwagen dagegen gefahren ist.“ Um Himmels willen, was ist mit den deutschen Müllmännern los? Sozialneid, weil die Müllabfuhr nicht an die Börse will? Kämpft mittlerweile jeder gegen jeden? Aber ich will das nicht auf die psychologische Ebene ziehen.

Das Deprimierende besteht darin, dass man die Gefahr von Müllwagen, die gegen Züge fahren, wahrscheinlich niemals in den Griff bekommen kann. Eine Abschaffung der Müllabfuhr zugunsten eines besser funktionierenden Zugverkehrs ist in einem Industriestaat keine realistische Option. Es ist gesetzlich verboten, mit Müllwagen in Bahndepots hineinzufahren und dort Züge zu rammen, Verbote scheinen die Müllmänner nicht zu beeindrucken. Mit den amokfahrenden Müllmännern ist der Bahn ein Gegner erwachsen, der noch schwieriger zu besiegen ist als der Winter, die Räder oder als unzufriedene Kunden. Die Lage ist nahezu aussichtslos.

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