Deutsche Bank : Risiken bleiben

Den Besen hatten Anshu Jain und Jürgen Fitschen offenbar in eine Ecke der Frankfurter Festhalle gestellt. Sie brauchen ihn noch: Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt ist längst nicht jeder Winkel ausgekehrt, schlummern weiterhin Risiken und Altlasten in Büros und Büchern der Deutschen Bank. Der smarte Brite Jain mag die Aktionäre mit seiner ersten auf Deutsch gehaltenen Rede umgarnt haben. Mehr aber auch nicht. Der Liborskandal um manipulierte Zinsen, Umsatzsteuer-Betrügereien, eine Prozesswelle in den USA – die Bank steht weiter unter massivem Druck. Der erforderliche Kulturwandel kommt nur schleppend voran. Dass der Aufsichtsrat die Gehälter der beiden Top-Banker bei immer noch satten 9,8 Millionen Euro deckelt, ist ein schwaches Signal. Immerhin: Der Aufsichtsrat will sich jetzt mit einem eigenen Ausschuss der Unternehmensintegrität widmen. Aber all das ist mit Blick auf den Kulturwandel zu wenig. Der ständige Appell von Fitschen und Jain an die Geduld wirkt eher ratlos. Dass Jain in einem Jahr noch besser Deutsch spricht – prima. Auch höhere Gewinne würden die Aktionäre begrüßen. Viel wichtiger wäre, dass sich Jain und Fitschen keine Liste neuer Skandale vorhalten lassen müssten. Damit sich Aktionäre nicht erneut zur Frage genötigt sehen, ob sie an einer Bank oder an einer „kriminellen Vereinigung“ beteiligt sind. ro

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