Deutsche Bank : Schuld und Risiko

Dass die Deutsche Bank wieder Gewinn macht, ist Josef Ackermann nicht vorzuwerfen. Doch er hat nicht zur Kenntnis genommen, dass die Finanzwelt nach dem Willen der Bürger und der Politik nun eine andere sein soll als vor der Krise. Die Volksseele brodelt. Doch Ackermann versteht sie nicht.

Stefan Kaiser

Manchmal braucht es nur zwei Zahlen, um zu zeigen, wie ungerecht Wirtschaft sein kann.  In Frankfurt am Main verkündet die Deutsche Bank einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro für das erste Quartal. Fast zeitgleich meldet der ruhmreiche Daimler-Konzern einen Verlust in ähnlicher Höhe. Die Verursacher der Krise feiern also fröhliche Urständ, während die Realwirtschaft immer tiefer in die Krise rutscht. Das darf nicht sein, sagt das Gerechtigkeitsempfinden des Normalbürgers. Auf die Spitze getrieben wird dieses Unbehagen durch die Person Josef Ackermann. Der Chef der Deutschen Bank, der vielen als Inbegriff des gierigen Finanzkapitalismus gilt, bleibt drei Jahre länger als geplant – bis 2013. Das klingt nach „weiter so“, es läuft ja alles so schön rund.

In der Tat profitierte kaum jemand so stark vom alten System wie die Deutsche Bank. Sie galt vor der Krise als einer der weltweit größten Händler jener verpackten Kreditpapiere, die die Finanzwelt in den Abgrund gerissen haben. Unter anderem versorgte sie die inzwischen mit Milliarden Euro Steuergeldern gerettete Mittelstandsbank IKB mit den Giftpapieren. Da liegt die Schuld der Bank. Da liegt auch die Schuld ihres Chefs. Er war es, der lange einseitig auf das Investmentbanking setzte und der mit seinem Renditeziel von 25 Prozent die Branche vor sich hertrieb. Ob die 25 Prozent nun viel sind oder nicht, ist dabei gar nicht entscheidend. Rendite ist nicht verwerflich, solange sie nicht auf Kosten der Allgemeinheit erzielt wird. Entscheidend war viel mehr die verheerende Wirkung, die von dem Renditewettlauf ausging. Denn gerade im Bankgeschäft bedeutet hohe Rendite immer auch hohes Risiko. Und das Risiko der Banken müssen im Zweifelsfall immer die Steuerzahler tragen.

Die wichtigste Frage ist nun, ob Ackermann aus seinen Fehlern gelernt hat. Dass die Bank wieder Gewinn macht, ist ihm nicht vorzuwerfen. Im Gegenteil, Politik und Steuerzahler sollten sich freuen, dass Deutschlands größte Bank das Schlimmste offenbar hinter sich hat und noch immer keine Staatshilfe braucht. Dies ist auch ein wesentliches Verdienst des Bankers Ackermann, für das ihm Anerkennung gebührt. Nicht zuletzt deshalb haben ihn die Aufsichtsräte der Bank gebeten, noch bis 2013 weiterzumachen. Sie ahnten, dass sie keinen besseren Banker finden würden.

Doch hier liegt auch das Problem des Josef Ackermann. Er ist zu sehr Banker, um Büßer zu sein. Er hat nicht zur Kenntnis genommen, dass die Finanzwelt nach dem Willen der Bürger und der Politik nun eine andere sein soll als vor der Krise. Er hofft noch immer auf das große Comeback des Investmentbankings. Und er hat auch die 25 Prozent wiederbelebt, obwohl ihm eigentlich klar sein müsste, dass er damit wieder einmal zum Feindbild Nummer eins in Deutschland wird. Die Volksseele brodelt. Doch der wichtigste Banker der Republik versteht sie nicht. Er hat sie wohl noch nie so recht verstanden. Auch nicht im Mannesmann-Prozess, als er die Finger zum Victory-Zeichen spreizte.

Der Schweizer Ackermann ist zu weit weg vom Volk, um ein Gespür dafür zu entwickeln, was sich dort zusammenbraut. Und er ist auch zu weit weg von der Politik in Berlin, um zu verstehen, warum sein Selbstbewusstsein ein idealer Angriffspunkt für Wahlkämpfer ist. Die Welt des Josef Ackermann besteht aus Zahlen. Aus Erfolg oder Misserfolg. Das mag das richtige Denken sein, um die Bank durch die Krise zu führen. Doch es ist das Falsche für einen Neuanfang.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben