Deutsche in Afghanistan : Schutz und Schuld

An einem deutschen Posten bei Kundus sterben eine Frau und zwei Kinder. Ein schreckliches Unglück. Doch deshalb den Abzug zu fordern, ist zu kurzsichtig.

Christine-Felice Röhrs

Deutsche Soldaten erschießen Zivilisten. An einem Checkpoint bei Kundus sterben eine Frau und zwei Kinder. Man ist versucht, der Scham und dem Schreck eine drastische Reaktion folgen zu lassen. Die Linke und einige Grüne fordern nun, die Soldaten abzuziehen, und selbst aus der FDP kommt der Vorschlag, man solle den Schwerpunkt lieber auf die Ausbildung der afghanischen Kräfte legen. Deutschland drohe „in einem schmutzigen Krieg zu versinken, der den Terror nicht bekämpft, sondern zu neuer Gewaltbereitschaft führt“. Klingt einleuchtend, moralisch.

Es ist zu einfach. Und nicht nur das. Es ist sogar zynisch, weil solch simple Parolen nicht Opfer vermeiden – sondern weitere Opfer herausfordern würden. Nach diesem Unglück geht es nicht nur um das Militär und die Schuld. Es geht auch um das Militär und den Schutz: um den Schutz Hunderter Entwicklungshelfer, die den Aufbau fördern und so Vertrauen schaffen. Und auch um indirekten Schutz, denn Fanatiker, die man gewähren lässt, werden ihre Bomben irgendwann auch hier zünden wollen. Deutschland war schon vor diesem Vorfall in ihrem Fokus, darüber täusche man sich nicht. Die Geheimdienste haben erst vor kurzem den Anstieg der Terroraktivitäten gemeldet.

Das Ergebnis muss sein, mehr zu tun, nicht weniger. An dem Checkpoint standen Soldaten, die wohl verunsichert waren, nachdem erst am Mittwoch ein Hauptfeldwebel gestorben war. In ihrem Camp stehen gepanzerte Fahrzeuge wochenlang kaputt herum, bis Ersatzteile da sind. Von vier Hubschraubern ist oft nur einer einsatzbereit. Die Soldaten müssen befähigt werden, überlegt zu reagieren, nicht übervorsichtig. Dafür müssen sie sich sicher fühlen. Es geht darum, die Bundeswehr zu unterstützen. Nicht, sie zu behindern durch moralische Scheindebatten.

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