Meinung : Deutsche Zustände

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Er lag hinten, kam von ganz unten. Die Demoskopen hatten ihn bereits abgeschrieben. Doch dann kam die Wahl, eine lange Nacht begann. Wer lag nun vorn? Das war die spannende Frage. Sicher, die Opposition hatte, rein numerisch, eine hauchdünne Mehrheit. Aber er, der Chef, der Unbesiegbare, durfte doch nicht einfach kapitulieren. Also kämpfte er, endorphingetrieben, munter weiter. So geschehen in der „Elefantenrunde“ am 22. September, als Gerhard Schröder reklamierte, an der Macht bleiben zu wollen. Und so geschieht es jetzt bei einem anderen Alphatier, dem italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi. „Von einem moralischen Standpunkt aus sind wir die Sieger“, polterte er am Freitagabend realitätsvergessen. Seinem Widersacher, Oppositionskandidat Romano Prodi, bot er gnädig eine zeitlich befristete Zusammenarbeit an. Auch diese Variante war in Schröders SPD – Stichwort: israelisches Modell – diskutiert worden. Mit links und rechts hat solches Gebaren nichts zu tun. Nur mit Anstand und Würde. mal

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