Deutscher Fußball in Israel : Die Leitkulturmoralisten

Lorenz Maroldt

Der deutsch-iranische Fußballer Ashkan Dejagah will nicht mit der U21-Nationalmannschaft in Israel spielen. Zunächst ist von politischen Gründen die Rede, dann von privaten, aber das ist egal, denn dieser Fall ist vor allem ein Beispiel für kurzschlüssige Empörung. Das gilt für die Leitkulturmoralisten, die schwerstbetroffen die Trennung von Sport und Politik anmahnen, als habe es den Olympiaboykott von Moskau und viele andere Geschichten nicht gegeben. Das gilt für den Zentralrat der Juden, der reflexartig die gesellschaftliche Verbannung Dejagahs wegen eines „privaten Judenboykotts“ fordert, während in Israel auch Verständnis für Dejagah laut wird. Iranern ist die Einreise nach Israel verboten; wer sich daran hält, teilt nicht zwangsläufig den antijüdischen Wahn des Präsidenten. Ein Teil der Familie Dejagahs lebt in Teheran, man wird sich wiedersehen wollen. Der Vater, seit zwanzig Jahren in Deutschland, ist Iraner geblieben und grenzüberschreitender Patriarch dazu. Der Sohn, aufgewachsen zwischen zwei Welten, ist offensichtlich überfordert – auch in der Rolle des missintegrierten Musterantisemiten. lom

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