Meinung : „Deutschland kann so viel erreichen“

Hans Monath

Öffentlich setzt er fast keine Akzente. Die außenpolitische Abteilung des Kanzleramts hat schon einige Chefs erlebt, die der Politikszene der Hauptstadt Gesprächsstoff lieferten – entweder, weil sie vor Gestaltungsdrang fast barsten, oder auch, weil sie ihre politischen Ziele sehr leidenschaftlich vertraten und dies auch laut sagten. Kaum einer dieser Kanzler(innen)-Berater hat in jüngster Zeit bei öffentlichen Auftritten so wenig Einblick in seine Seele gewährt wie Christoph Heusgen, der Beamte, der seit fast einem Jahr für Angela Merkel die Außen- und Sicherheitspolitik der großen Koalition mit gestaltet.

Manche führen die Zurückhaltung darauf zurück, dass die Rückkunft des Diplomaten nach Berlin im vergangenen Jahr unter keinem guten Stern stand: Weil der damalige Kabinettschef des EU-Außenbeauftragten Javier Solana entgegen den Festlegungen des Koalitionsvertrags nach seiner Berufung noch von Brüssel aus das Ziel eines ständigen deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrat für illusionär erklärt hatte, tobte die SPD – und auch die neue Chefin des Beamten war nicht erfreut. Einen neuen Anlass für Schlagzeilen über einen außenpolitischen Koalitionskrach hat der 1955 geborene studierte Ökonom nicht mehr geliefert.

Dabei gibt es viele potenzielle Streitfelder – schließlich waren Union und SPD in der Außenpolitik von sehr unterschiedlichen Positionen in die Koalition gestartet. Ein politischer Konflikt, in dem der in Berlin als hoch intelligent, menschlich verbindlich und effizient geltende Diplomat die Strippen zog, ist bisher aber nicht bekannt geworden. Vielmehr zeigt sich der vom Niederrhein stammende Katholik als grundsatztreuer Außenpolitiker, der die Begründung für sein Handeln auch in christlichen Werten sucht.

Auch bei der Vorbereitung der EU-Präsidentschaft ist Heusgen nun ein wichtiger Akteur: Dank seiner Erfahrung mit Solana ist er neben Außenamtsstaatssekretär Reinhard Silberberg und dem Leiter der EU-Abteilung im Kanzleramt, Uwe Corsepius, einer der besten Kenner der EU-Strukturen und -Akteure in der Bundesregierung.

„Stur, still und leise“ erringe Heusgen seine Erfolge, schrieb die „Zeit“, bevor der Diplomat seine neue Aufgabe übernahm. Bisher spricht nichts gegen die Annahme, dass er in Berlin von dieser Linie abweichen wird.

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