Deutschland-Start der "Huffington Post" : Der Wert von Gedanken verfällt

Bücher kosten immer weniger, Journalismus oft gar nichts mehr - nicht erst sei dem Start der "Huffington Post". Bezahlen werden am Ende die, die umsonst lesen. Weil sie sich auf Informationen nicht mehr verlassen können.

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Die neue Umsonstkultur?
Die neue Umsonstkultur?Foto: dpa

Auf der Frankfurter Buchmesse tanzen die Verleger mit den Autorinnen, ihre Feste sind lauter und schriller denn je. Es könnte ja das letzte Mal sein, dass man so nett zusammen ist. In München stellt die amerikanische Verlegerin Ariana Huffington nicht weniger schrill die „Huffington Post“ für Deutschland vor. Das ist ein Webportal mit einer Besonderheit. Autoren, die hier schreiben, bekommen kein Honorar.

Beide Partys haben etwas gemeinsam: Sie feiern das Ende einer Ära. Informationen, geschriebene Texte, Gedanken haben ihren Wert verloren. Der Preisverfall trifft das geistige Eigentum in derselben Weise wie T-Shirts, Schweinefleisch oder Fernseher. Doch wenn Dinge ihren Preis verlieren, werden sie nicht nur billiger. Sie verändern ihren Charakter, die korrumpieren ihre Konsumenten. So geht es mit dem Schweineschnitzel für weniger als fünf Euro das Kilo. Oder eben mit Informationen.

Alle Information gewinnt ihre Bedeutung in dem Kontext, in den sie gesetzt wird. Nackt ist sie nichts wert. Weil aber Informationen nichts mehr kosten, können sich Interessierte unbemerkt in sie hineinschleichen. Der Konsument hat nicht bezahlt, also darf er sich auch nicht beschweren.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".Foto: Mike Wolff

Ist der Journalist, der kostenlos für die „Huffington Post“ schreibt, wirklich unabhängig – oder dient er sich für Geld den Leuten an, über die er so freundlich schreibt? Ist das Sachbuch, das mit freundlicher Unterstützung eines Unternehmens üppig aufgemacht wird, objektiv?

Die Webseiten von Wohnzeitschriften werden zu Baumärkten, in denen nicht der Geschmack regiert, sondern die Verkaufszahlen für Möbel und Teppiche. Webseiten von Boulevardzeitungen sind riesige Gemischtwarengeschäfte, für die Informationen vor allem wichtig sind, um damit ein Auto zu verkaufen, ein Kleid, eine Reise. Muss uns das interessieren?

Ja. Es geht um den Anspruch einer Gesellschaft, ohne versteckte Agenda informiert zu werden. Und darum, dass Verleger keine Verkaufsassistenten sein sollen. Mit denen wollen am Ende auch die Autorinnen nicht mehr feiern.

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