Deutschland und der IWF : Vorsicht, Schwellenland!

Im IWF wird wohl bald eine Stelle frei - und die europäischen Länder, allen voran Deutschland, wollen den leeren Sitz am liebsten aus den eigenen Reihen besetzen. Damit betreiben sie ein doppeltes Spiel mit den Schwellenländern.

von

Dominique Strauss-Kahn war erst wenige Stunden in Haft, als die Kanzlerin schon im Namen Europas den Anspruch auf seine Nachfolge an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhob. Damit wies sie Begehrlichkeiten der Schwellenländer zurück, die im IWF schon länger auf mehr Einfluss und eine neue Politik drängen. Auf mittlere Sicht, so Merkel fürsorglich, sollten Länder wie China, Russland, Brasilien oder Indien Führungsämter in internationalen Organisationen übernehmen – nur eben jetzt nicht. Zwar ist es verständlich, dass in Berlin die erste Sorge dem Euro gilt, der IWF spielt bei seiner Rettung eine wichtige Rolle. Die Forderungen der aufstrebenden Mächte so kategorisch zurückzuweisen, ist trotzdem unklug. Noch im Herbst wurde deren Einfluss im IWF gestärkt, mit Berlins Stimme. Sie stellen 40 Prozent der Erdbevölkerung und steuern fast die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums bei. Mit ökonomischer Macht aber wachsen politische Ansprüche. Im Ringen um einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat hat sich Berlin mit wichtigen Schwellenländern verbündet, im IWF will es sie nun kleinhalten. Das passt nicht zusammen.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar