Deutschlands fehlende Mediziner : Landarzt dringend gesucht

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Eigentlich klingt es nach einem attraktiven Beruf: Wohl kaum ein Arzt baut so einen engen Kontakt zu seinen Patienten auf wie der Hausarzt auf dem Land. In seiner Region ist er die erste Wahl, allein schon, weil er der einzige Arzt in der Nähe ist. Oft gehört er zu den angesehensten Persönlichkeiten. Und doch sind immer weniger junge Ärzte bereit, sich in den entlegenen Regionen Deutschlands niederzulassen. Der Mangel wird sich in den nächsten Jahren verschärfen: Mehr als die Hälfte der Hausärzte sind älter als 55 Jahre, viele von ihnen werden Schwierigkeiten haben, Nachfolger zu finden.

Mit einer Landarztquote will Gesundheitsminister Philipp Rösler das Problem angehen. Ein Teil der Studienplätze solle an diejenigen vergeben werden, die bereit sind, nach dem Studium einige Jahre auf dem Land zu praktizieren, fordert der FDP-Politiker. Für manch einen mag das ein Anreiz sein, doch an den Ursachen des Ärztemangels auf dem Land ändert eine solche Quote nichts. Die Arbeitsbelastung eines Landarztes ist enorm: In manchen Regionen muss er 5000 Patienten versorgen, in Spitzenzeiten 150 am Tag. Das bringt Arbeitszeiten von bis zu 70 Stunden pro Woche mit sich. Nachts kann er wegen Notfällen aus dem Bett geklingelt werden. Und für Hausbesuche muss ein Landarzt kilometerweit fahren. Arbeitsbedingungen, die viele jüngere Mediziner nicht mehr akzeptieren wollen. Hinzu kommt die Bezahlung, die im Vergleich zu vielen Facharztkollegen gering ist. Gerade in strukturschwachen Regionen gibt es kaum Privatpatienten, das macht sich bei den Honoraren bemerkbar.

Geld allein hilft jedoch nicht weiter: Schon heute gibt es Versuche, Ärzte in entlegene Landstriche zu locken – mit Investitionspauschalen, kostenlosen Praxisräumen und Umsatzgarantien. Mit mäßigem Erfolg. Erfolgversprechender klingt Röslers Idee, in den Kommunen Praxen einzurichten, in denen Ärzte als Angestellte arbeiten können. Wer geregelte Arbeitszeiten und die Option hat, nach einiger Zeit in die Stadt zurückkehren zu können, lässt sich vielleicht eher auf eine Zeit auf dem Land ein. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet der FDP-Mann Rösler diese Idee äußert – zu Oppositionszeiten kämpfte seine Partei vehement für die Freiberuflichkeit des Arztberufs.

Noch ist der Arztberuf so attraktiv, dass es deutlich mehr Bewerber für ein Studium gibt als Plätze. Die Zahl der Ärzte in Deutschland ist stetig gestiegen, seit der Wiedervereinigung um ein Drittel. In Ballungsgebieten gibt es mehr Mediziner als notwendig, in Berlin fahren einige hundert Ärzte lieber Taxi, als in der Uckermark Patienten zu behandeln. Wer jedoch den Ärztemangel auf dem Land bekämpfen will, muss den Beruf des Hausarztes grundsätzlich aufwerten. Das fängt nicht zuletzt damit an, dass die Allgemeinmedizin im Studium nicht nur eine Nebenrolle spielen sollte.

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