DFB in der Krise : Es läuft nicht rund

Theo Zwanziger muss sich am eigenen Programm messen lassen. Ein Programmpunkt war der Kampf gegen die Homophobie im Fußball. Ein schwieriges Thema, gewiss. Aber außer mit ein paar symbolischen Akten hat er es nicht mal anzukratzen geschafft. Dass ihn das Thema nun in Form der Affäre um den Schiedsrichter Amerell einholte, ist daher nur gerecht.

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Und dann auch noch eine Niederlage gegen Argentinien. Mehr noch: eine Niederlage mit, wohlwollend betrachtet, zwei deutschen Torschüssen – nein, die letzte Bestandsaufnahme für die in knapp hundert Tagen beginnende Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist nicht gerade brillant ausgefallen. Nun muss man nach diesem Freundschaftsspiel am Anfang der Vorbereitung nicht gleich in Schockstarre verfallen und schwarzsehen für die Elf des Deutschen Fußball-Bundes. Und billig wäre es, die Schlappe in einen kausalen Zusammenhang zu setzen mit all den anderen Tätig-, besser Untätigkeiten des DFB. Aber ins Bild passt sie schon.

Das Bild: Die Nationalmannschaft, einer der wesentlichen Gefühlsgeneratoren dieses Landes, die im positiven Fall Krisen und womöglich sogar Westerwelle leichter ertragen lässt, geht angeschlagen ins WM-Jahr, ebenso angeschlagen wie es die Führung des größten Sportverbandes der Welt ist. Wobei, angeschlagen? Es ist wohl mehr eine ausgewachsene Führungskrise, in der der DFB steckt. Und in ihrem Zentrum waltet – oder ist „dilettiert“ nicht das treffendere Wort? – Präsident Theo Zwanziger. Was ist geblieben von seinem sympathischen Führungsanspruch, mit dem er hemdsärmelig und informell seinen autokratischen Vorgänger Mayer-Vorfelder vergessen machen wollte? Nichts!

Zumindest gelingt ihm nichts. Da war der reichlich unsouveräne Streit mit einem Sportjournalisten, der Zwanziger in seinem Blog einen „unglaublichen Demagogen“ genannt hatte. Zwanziger reagierte mit der ersten Rücktrittsdrohung, falls diese Formulierung von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Sie war es, Zwanziger trat natürlich nicht zurück. Da war die verheerende Außendarstellung im Streit um die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff, bei dem offensichtlich aus dem Präsidium heraus Interna an die Boulevardpresse lanciert wurden, um die Gegenpositionen zu schwächen. Ein paar Monate vor dem wichtigsten Ereignis des Fußballs aber ist es für Muskelspiele und Ränke innerhalb der Führungsetage des DFB der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Auch nach der Versöhnung irritiert, dass Zwanziger, obwohl stets voll des Lobes über die hervorragende Arbeit seines obersten Trainers und auch über dessen Wesen, dessen Art, die Vertragsverlängerung Löws nicht gelingen will. Hat er seinen Laden nicht mehr im Griff?

Vor allen Dingen muss sich Zwanziger am eigenen Anspruch und Programm messen lassen. Ein Programmpunkt war der Kampf gegen die Homophobie im Fußball. Ein schwieriges Thema, gewiss, und wahrlich nicht leicht, das Tabu der Homosexualität zu brechen. Aber außer mit ein paar symbolischen Akten hat es Zwanziger nicht mal anzukratzen geschafft, etwa durch ein Statut, das von höchster Verbandsebene aus festlegt, homophobe Äußerungen und Schmähungen im Fußball unter Strafe zu stellen. Dass Zwanziger das Thema nun in Form der schwiemeligen Affäre um den Schiedsrichter Manfred Amerell einholte, ist daher nur gerecht. Die außergerichtliche Einigung, mit der Amerell und der DFB nun das Thema für beendet erklären, ist nur ein Kurzstopp. Wohl muss Zwanziger nicht, wie wieder angedroht, zurücktreten (mal schauen, wie lange solche Drohungen noch irgendeine glaubwürdige Kraft haben), das Thema Homosexualität im Fußball aber wird er nicht mehr los. Bleibt die Hoffnung, sie ist klein, dass Zwanziger in diesem Fall Qualität zeigt im Amt des DFB-Präsidenten.

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