Meinung : Die Alten Meister sind uns teuer

„Reif für die Insel“ vom 29. September

Die Übersicht von Bernhard Schulz über die verschiedenen Optionen und Argumente für eine eventuelle Neuordnung von wichtigen Berliner Museen ist außerordentlich instruktiv und verdienstvoll. In der öffentlichen Erörterung scheint mir allerdings die Frage der Finanzierung eines eventuellen Neubaus etwas zu kurz zu kommen. Die ja nicht uninteressante Frage, wer denn eigentlich

einen Museumsneubau entweder an der Potsdamer Straße (als Alternative zum rückwärtigen Gelände der Neuen

Nationalgalerie) oder auf dem Gelände gegenüber des Bode-Museums finanzieren soll, wird nicht im Ansatz vertieft diskutiert.

Irgendwie scheint man sich nach meinem Eindruck auf das Prinzip Hoffnung zu stützen: Der Bund werde das schon irgendwann finanzieren. Und dann könne man ja vielleicht auch noch nötige Restmittel von Sponsoren erhalten.

Nach meiner Kenntnis gibt es keine belastbare Aussage dafür, dass die relevanten Gremien des Bundestages, d. h. Kulturausschuss und vor allem

Haushaltsausschuss, die erforderlichen

150 Millionen Euro oder mehr für einen Neubau eines weiteren Museums

in Berlin bewilligen.

Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, so sehr ich das wünsche, dass die Abgeordneten des Haushaltsausschusses dem in Zukunft zustimmen werden. Was sollte einen Abgeordneten außerhalb Berlins und vielleicht noch Brandenburgs veranlassen, nach den Milliarden für die Museumsinsel und den 600 Millionen für den Schlossneubau noch einmal eine große Summe für Berliner Museen zu bewilligen? Das Argument der Hauptstadtfunktion dürfte nicht ausreichen. Bei der Finanzierung der Museumsinsel wurde als Begründung ihre überragende Bedeutung als Nationales Kulturerbe (Welterbeliste der Unesco) herangezogen. Auch dies scheidet in diesem Fall aus. Es handelt sich ja um die Erweiterung der recht ordentlich ausgestatteten Berliner Museumslandschaft. Finanziert der Bund denn auch Museen in München, Köln oder Hamburg? Ich meine, dass die Aussichten für eine weitere Großfinanzierung nach Schloss und Museumsinsel für die nächsten Jahrzehnte minimal sind. Deswegen sollte jeder, der einen kostspieligen Museumsneubau vorschlägt, bitte auch gleich eine möglichst konkrete und belastbare Finanzierungsidee mitliefern.

Seltsam ist, dass diese Schlossalternative eigentlich gar nicht öffentlich diskutiert wird, und umso wichtiger ist diese Übersicht. Wird die Alternative einer Nutzung des Schlosses für die Alten Meister in der Studie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einbezogen oder auch dort aus welchen Gründen auch immer mit Schweigen übergangen?

Es wäre interessant gewesen zu hören, was Herr Raue zu dieser Lösungsvariante denkt. Leider wurde ihm in dem ansonsten hoch interessanten Interview Ihrer Kolleginnen diese Frage nicht gestellt. Ist dies denn wirklich so abwegig? Wenn die Gemälde der Alten Meister in ein Geschoss des Schlosses ziehen, hätte man Platz für ein Museum der Moderne in der bisherigen Gemäldegalerie am Kulturforum.

Otfried Garbe, Berlin-Wilmersdorf

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