Meinung : „Die Arbeits- losigkeit ist …

Cordula Eubel

… nicht größer geworden, aber sie wird jetzt umfassend abgebildet.“

Den Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) schocken fünf Millionen Arbeitslose nicht. Er sei überzeugt, dass die „magische Zahl“ den Blickwinkel stärker auf das Problem der Arbeitslosigkeit richten könne, sagt Frank-Jürgen Weise bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Start der Arbeitsmarktreform Hartz IV. Die Zahl mache die Brisanz deutlich, sagt Weise, der sich eine stärkere Konzentration auf die Frage erhofft, wer in der Gesellschaft welchen Beitrag zum Abbau der Arbeitslosigkeit leisten könne.

Während die Opposition Wirtschaftsminister Clement Versagen vorwirft, bleibt Weise solche Kritik erspart. Dabei ist er Chef der Behörde mit knapp 90 000 Mitarbeitern, die Arbeitslosigkeit nicht nur verwalten, sondern den Betroffenen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt ebnen soll. Dass er sanfter angefasst wird, liegt nicht in erster Linie daran, dass Weise früher in der CDU aktiv war. Er hat sich vielmehr in allen politischen Lagern einen guten Ruf erarbeitet, weil er sich beharrlich für den Umbau der BA einsetzt.

Seit Februar 2004 steht der 53-Jährige an der Spitze der Nürnberger Behörde. Er beerbte den Sozialdemokraten Florian Gerster, der damals wegen umstrittener Beraterverträge seinen Posten räumen musste. Zuvor hatte Weise die BA bereits zwei Jahre lang als Gersters Stellvertreter kennen gelernt. Anders als Gerster versteht Weise sich weniger als Arbeitsmarktpolitiker, der in der Öffentlichkeit mit lautstarken Thesen auftritt. Er sieht seine Rolle eher als Manager, der die Arbeitsämter zu modernen Dienstleistungsagenturen umbauen will.

Weise sagt, dass er Führung bei der Bundeswehr gelernt habe. Nach dem Abitur verpflichtete er sich für zwölf Jahre als Offizier bei der Bundeswehr, wo er als Fallschirmjäger ausgebildet wurde. Nebenher studierte Weise bei der Bundeswehr Wirtschaftswissenschaften. In seiner Zeit bei der Bundeswehr lernte er auch Gerster kennen, der ihn später zur BA holte. Weises Mitarbeiter bescheinigen ihrem Chef auch heute noch ein bisweilen „militärisches Auftreten“. Wenn er Vorträge hält, steht er kerzengerade, gestikuliert nur ein wenig mit den Händen.

Der Behördenchef liebt Zahlen. Aus dem Kopf kann Weise herunterbeten, um wie viele Prozentpunkte sich die Eingliederungsquote bei Weiterbildungskursen verbessert hat. Bevor Weise 2002 zur BA kam, war er in der Privatwirtschaft tätig. Bei der FAG Kugelfischer in Schweinfurt kümmerte er sich ebenfalls um Zahlen – er war im Vorstand für Finanzen und Controlling zuständig.

Mit dem Vokabular, das Unternehmensberater in den vergangenen zwei Jahren in die Bundesagentur eingebracht haben, jongliert auch Weise mittlerweile ständig: „Kontraktmanagement“ heißt sein neues Zauberwort. Konkret bedeutet es, dass er verbindlich mit den einzelnen Arbeitsagenturen vor Ort vereinbart, welche Ziele sie erreichen sollen.

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