Meinung : Die Becker-Scheidung: Ein Niemand nur in Deutschland

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Vieles spricht dafür, dass Boris Becker erst jetzt auf dem Gipfel seiner Bekanntheit anlangt. Nicht als siegreicher Knabe aus Leimen, nicht als gereifter Coverboy oder als Werbe-Model - erst als Opfer einer privaten Niederlage zieht er alle, wirklich alle Aufmerksamkeit auf sich. Zu verdanken hat er dies auch einer liberalen Praxis im Mutterland der modernen Demokratie. Gerichtsverfahren sind in den USA nicht nur öffentlich, sie sind medienöffentlich. Und die Öffentlichkeit wird sehr ernst genommen. Dort gibt es eine Abwägung, die wir in Deutschland nicht kennen: Ist der Beteiligte berühmt, besteht auch ein erhöhter Informationsanspruch. Ein Niemand, der in Miami um das Sorgerecht für seine Kinder kämpft, muss keine Zuschauer dulden. Jetzt können wir alles erfahren: Wie sich der gestrauchelte Held in seiner Familie benahm, was er verdiente, was er bezahlte, wer ihm nahe war. In Deutschland könnte es so weit nicht kommen, auch wenn der Sender n-tv Ende Januar in seinem Streit in Karlsruhe um eine Öffnung der Gerichtssäle für Kameras obsiegen sollte. Familiensachen bleiben tabu, man will Intimsphäre und vor allem Kinder schützen. Sind wir klüger? Nein, nur anders als die Amerikaner benutzen wir unser Gesetz auch gerne, um die Menschen zu erziehen. In diesem Fall zum Respekt vor den Privatangelegenheiten anderer. Das sollte uns ohne Vorschriften selbstverständlich sein.

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