Meinung : Die besetzten Gebiete gehören nicht zu Israel

„Dem Mythos auf der Spur“

von Bernd Kregel vom 31. Oktober

Sowohl mit Blick auf das von Herrn Kregel dargestellte Israel als auch mit Blick auf die journalistische Sorgfaltspflicht stellt sich mir als Palästinenser und als Generaldelegierter Palästinas und somit als offizieller Vertreter meines Landes die Frage welches „mystische Bild“ Herr Kregel dem deutschen Leser vermitteln möchte. Herr Kregel konstruiert hier eine Realität, die fern von jeder Wirklichkeit vor Ort ist. Auch aus historischer, geografischer sowie politischer Sicht entspricht der Artikel in keinster Weise den tatsächlichen Gegebenheiten.

Die von Kregel erwähnten heiligen Stätten in Jerusalem liegen fast ausnahmslos in Ostjerusalem, und damit im von Israel besetzten arabischen Teil der Stadt. Israel besetzte Ostjerusalem 1967 völkerrechtswidrig und eroberte die Stadt nicht – wie Kregel behauptet – im Sechstagekrieg zurück. An dieser Stelle sei auf einschlägige Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und wiederholte Stellungnahmen der Europäischen Union und des Nahostquartetts verwiesen.

Die Städte Jericho, Bethlehem und Beit Jala geografisch dem Staat Israel zuzuordnen, ist eine regelrechte falsche Darstellung der Landkarte. Alle drei Städte liegen in der von Israel besetzten Westbank. Ein Faktum, das von der internationalen Gemeinschaft, aber wohl nicht von Herrn Kregel er- und anerkannt wurde. Die Westbank, der Gazastreifen und Ostjerusalem – und auch hier sind sich alle ausnahmslos einig – werden den zukünftigen Staat Palästina bilden.

In seinem Artikel zeichnet Kregel ein harmonisches und friedliches Bild, welches in Ostjerusalem, in Jericho, in Bethlehem und in Beit Jala herrschen soll. Die Verschönerung dieser Situation verschleiert die israelische Besatzung und die damit verbundenen Völkerrechtsverstöße und Diskriminierungen. Es verschleiert, dass diese Städte palästinensisch sind und negiert das palästinensische Volk als ihre rechtlich anerkannten Einwohner.

Jede Form des Journalismus, und hierzu gehört ohne Frage auch der Reisejournalismus, ist der Wahrheit und zumindest der geografischen und geschichtlichen Objektivität verpflichtet. Diese Anforderungen an den Journalismus sind bedauerlicherweise in Kregels Bericht nicht zu erkennen.

Salah Abdel Shafi, Generaldelegierter Palästinas, Berlin-Lichterfelde

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