Meinung : Die Bojaren sind schlecht

CHODORKOWSKIJ STEIGT AUS

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Ein Erdrutsch an der Börse, wachsende Distanz der Investoren und Kritik westlicher Staatschefs sorgten in Moskau in Sachen Jukos für Nachdenklichkeit. Premier Kasjanow nannte das Vorgehen der Ermittler unverhältnismäßig, der neue Chef der KremlAdministration zweifelt am praktischen Nutzwert der Strafexpedition gegen den Ölgiganten. Putin, der seinen Granden zunächst untersagte, die Vorgänge zu kommentieren, lässt nun vorsichtig zurückrudern und bleibt selbst dabei im Hintergrund. Der Zar ist gut, die Bojaren sind schlecht, heißt es stets, wenn in Russland etwas dumm gelaufen ist. Das aber funktioniert in Demokratien nicht. Nicht einmal in gelenkten, denn gerade dort ist laut Verfassung und nach Putins eigenen Worten der Präsident für alles verantwortlich. Nicht zuletzt für die nach wie vor fiktive Gewaltenteilung, bei der Staatsanwaltschaft und Gerichte nur Wurmfortsatz im Verdauungstrakt der Exekutive sind. Dazu berufen, politisch motivierte Aufträge der Macht mit wirtschaftlichen Vorwänden durchzusetzen. Mit dem Jukos-Skandal hat Putin in vier Sekunden zerstört, was er als größte Leistung seiner fast vierjährigen Amtszeit verbuchen konnte - Wiederherstellung des Vertrauens in die Berechenbarkeit russischer Politik. Chodorkowskij zog mit seinem Ausstieg aus dem Konzern die Konsequenzen. win

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