Meinung : Die Brücken über Berlin

DEUTSCHLANDS STÄDTE RECHNEN MIT DEM OSTEN

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Wehe, man wirft dem Regierenden Bürgermeister Wowereit vor, Berlin sei nicht richtig vorbereitet auf die OstErweiterung der EU. Sofort wird man bestraft mit einem bürokratischen Vortrag, in dem die Bedeutung Berlins im Ost-West-Zusammenhang wahlweise als Brücke, Drehscheibe, Motor, Sprungbrett, Tür oder Tor beschworen wird. Da klingt Wowereit ganz wie sein Vorgänger Diepgen. Im Übrigen, so Wowereit, geschehe viel mehr, als die denkfaul-ignorante Öffentlichkeit wahrzunehmen bereit ist. In einem vorsorglich nicht offiziell verbreiteten Senatsbericht heißt es dagegen: „Für eine herausragende Rolle bei der Osterweiterung der EU ist Berlin nicht gewappnet.“ Berlin sei als Produkt „unscharf und hat viele Mängel“. Die Ost-West-Kompetenz sei nicht transparent und abrufbar, in der Konkurrenz zu anderen Standorten liege Berlin „in manchen Bereichen sogar erkennbar im Rückstand." Leider wahr, auch wenn Wowereit seit kurzem Aktionismus entwickelt. Weil sich eine Stadt wie Dortmund mit einigem Recht ebenfalls „Tor zum Osten“ nennt, wird man behaupten dürfen: In Berlin hat die Politik viel zu lange gehofft, an der Stadt komme niemand vorbei. Diese Schwäche haben andere genutzt und Brücken gebaut – über Berlin hinweg. lom

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