Die CDU nach der Wahl in Hamburg : Ohne rechtes Rezept

In Großstädten wie Hamburg kann die CDU nicht punkten. Die städtischen Partei-Verbände definieren sich noch zu stark über ideologische Positionen. Für die SPD aber ist das kein Trost. Ein Kommentar.

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Etwas ratlos - Angela Merkel.
Etwas ratlos - Angela Merkel.Foto: AFP

Bitter, mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden, aber – schaut man sich die CDU am Tag nach Hamburg an – offenbar irgendwie auch tröstlich. Keine 16 Prozent bei einer Landtagswahl sollten in einer Volkspartei eigentlich eine ernste Debatte auslösen, ob sie denn noch eine ist, zumal in Großstädten. Stattdessen führt die brutale Niederlage nur zu Schulterzucken und dem stillschweigenden Beschluss, auf weitere Kommissionen zum Thema „Große Städte“ zu verzichten, wegen erwiesener Zwecklosigkeit.

Daran ist jedenfalls so viel richtig, dass die Hamburger CDU keine Chance hatte. Olaf Scholz, der Mann mit dem Faible für Zahlen und dem großen Herzen für die Wirtschaft, hat die hanseatische SPD in seiner Person ungefähr so stark christdemokratisiert, wie Angela Merkel die Bundes-CDU sozialdemokratisiert hat. Gegen beide Persönlichkeiten ist aktuell einfach kein Stich zu machen. Überholen durch Nachahmung funktioniert nicht, für Gegenentwürfe fehlt es an Plausibilität und Mehrheiten. Man kann als CDU in Hamburg und als SPD im Bund nur auf bessere Zeiten hoffen.

Die Parallele geht aber noch ein Stück weiter. Und da hört es mit der Gelassenheit rasch auf. So, wie sich die Bundes-SPD schwertut, ihren Anspruch auf das Kanzleramt durch eine konkrete Koalitionsoption zu unterlegen, so sehr fehlt diese Option der CDU nicht nur in Hamburg. Schwarz-Grün hat immer noch etwas Exotisches, zumal städtische CDU-Verbände sich stärker über ideologische Positionen definieren, als die Rede von der „modernen Großstadtpartei“ vermuten lässt. In Zehlen- und Eppendorf verbeißen sie sich nun mal stärker ins Parteibuch als in vielen echten Dörfern. Dass daraus nur selten jene charismatischen Personen hervorgehen, die auch parteifernes Publikum anziehen, trägt zum Elend bei.

Die „Asylfrage“ etwa wäre früher ein klares CDU-Thema gewesen

In Hamburg ist allerdings noch etwas deutlich geworden, was die Großstadttauglichkeit der CDU zusätzlich gefährdet. Eine der wenigen Fragen, die in dem inhaltsarmen Wahlkampf die Bürger beschäftigt haben, war die „Asylfrage“. Früher wäre das ein klares CDU-Thema gewesen – als Aufreger nicht stark genug für einen Sieg, aber wenigstens ein kleines Hebelchen, um am Stuhl eines Ersten Bürgermeisters zu wackeln.

Inzwischen zieht die AfD aus solchen Themen ihren Profit. Schaut man nur auf die Zahlen von Wählerwanderungen, holt die „Alternative“ fast so viele frühere SPD-Wähler auf ihre Seite wie einstige CDU-Anhänger. Schaut man hingegen auf die Themenfelder, engt die AfD die Möglichkeiten der Christdemokraten stärker ein. Dagegen haben sie noch kein rechtes Rezept gefunden. Zu hoffen, dass die AfD sich von selbst erledigt, ist als Rezept zu wenig. Deren Hamburger Ergebnis taugt nicht als Beweis, dass die Partei es in den Westen geschafft hat; als Beleg für das Gegenteil aber erst recht nicht.

Hamburg hat der CDU am Beispiel des Olaf Scholz noch einmal gezeigt, was sie an Angela Merkel hat. Die CDU kann dort genauso lernen, was es bedeutet, wenn sie Angela Merkel eines Tages nicht mehr hat. Gut möglich, dass dann jemand sie mit ihren eigenen Waffen schlägt. Nicht mal ausgeschlossen, dass er Olaf Scholz heißt.

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