Die Deutschen und das Jahr 2013 : Grundlos optimistisch

Der Deutsche, ein Berufsmuffel? Weit gefehlt. 80 Prozent blicken laut einer Umfrage optimistisch in die Zukunft. Und 65 Prozent würden auf der nächsten Party am liebsten einen Banker kennen lernen.

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Optimisten haben einen Nachteil. Widerfährt ihnen Gutes, ist das für sie keine Überraschung, während der Pessimist sich in einem solchen Fall einmal aufrichtig freuen kann, obwohl der das eigentlich gar nicht will. So ungerecht kann die Welt sein.

Aber es gibt nicht nur aus der Sicht des Pessimisten Dinge zwischen Himmel und Erde, die einfach unerklärlich sind. Der redselige Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat mal wieder eine Umfrage in Auftrag gegeben. 80 Prozent der Deutschen blicken demnach „optimistisch in die eigene Zukunft“. Wie kann das sein? Haben die keine Angst, über die Fiskalklippe geschubst zu werden? Lesen die keine Zeitung? Optimisten sind grundlos optimistisch. Das besagt schon die Definition: Ein Pessimist ist ein Optimist, der nachgedacht hat. Der Optimist hat keine Ahnung, und das Lager der Ahnungslosen wird immer größer. Vor einem Jahr hatte Opaschowski schon mal nachgefragt, da waren es nur 68 Prozent, die optimistisch in die Zukunft blickten. Woher kommt jetzt die Steigerung? Krisenzeiten hätten die junge Generation eher stark und selbstbewusst gemacht, sagt Opaschowski. „Die ,Generation Krise’ hat mit Krisenängsten zu leben gelernt, arrangiert sich und meistert ihr Leben auf ihre eigene Weise“, erklärt der Forscher. Gelobt sei, was hart macht, hätte er auch sagen können.

Die Umfrage ergab einen großen Unterschied zwischen persönlichem Optimismus und gesellschaftlichem Pessimismus. Die eigene Zukunft wird positiv gesehen, auf der gesellschaftlichen Ebene aber werden „ebenso realistisch wie pessimistisch weitere Finanz- und Wirtschaftskrisen“ erwartet. Das Institut für Demoskopie Allenbach kommt zu ähnlichen Zahlen und Schlussfolgerungen. Die Mehrheit sei davon überzeugt, dass der schlimmste Teil der Krise noch bevorstehe, und zwei Drittel befürchteten, dass die Kosten für die Euro-Rettung Deutschland finanziell überfordern. Eine wesentliche Erklärung für den Optimismus sei, dass die Schuldenkrise in Europa die Deutschen bisher kaum erreiche und für sie eher ein virtuelles Ereignis sei.

Die spannendste Umfrage hat das evangelische Monatsmagazin „Chrismon“ in Auftrag gegeben. Die Frage: Wen würden Sie auf einer Party am liebsten kennenlernen? Einen Banker, war die mit Abstand häufigste Antwort. 65 Prozent wünschen sich das. Das sind wahrscheinlich die Optimisten. Die wollen wissen, ob wir über die Fiskalklippe springen, alles den Bach runtergeht und sie dann, händereibend, billig Aktien kaufen können.

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