Meinung : Die Folge der Flausen

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Guido Westerwelle und Jürgen Möllemann, so verschieden sie auch im Charakter sein mögen, haben gemeinsam entdeckt, wie man eine kleine Partei groß machen kann. Immer im Gespräch bleiben, heißt ihre Devise, oder besser: in den Gesprächen. Nur so können, über das liberale Stammpotenzial hinaus, Stimmenprozente mobilisiert werden. Das klappte auch ganz vorzüglich, so lange die Bandbreite von Big Brother bis zum eigenen FDP-Kanzlerkandidaten die linken und rechten Ränder des liberalen Spektrums eher amüsierte als verschreckte. Von den avisierten 18 Prozent sind die Freien Demokraten zwar immer noch deutlich entfernt, aber bei 12 Prozent sahen die Demoskopen sie immerhin schon. Das Politbarometer hat jetzt jedoch gezeigt, dass die Deutschen in einem Punkt keinen Spaß verstehen: So „liberal“, dass sie Antisemitismus schick finden oder gar tolerieren, sind sie nicht. Möllemanns kalkuliertes, ziemlich ekelhaftes Kokettieren mit einem Ressentiment hat seine Partei innerhalb eines Monats ein Drittel der Wähler gekostet. Das spricht für die Bundesbürger. Die rechtsextremen Krakeeler signalisieren auf den einschlägigen Homepages feixende Zustimmung zu Möllemanns Ausfällen. Die Stimmbürger ziehen ihre Konsequenz ganz still, aber entschlossen. Das ist nicht die Partei, die sie wollen. Was hatte die FDP in ihrer jüngeren Geschichte nicht schon alles auf den Wahlplakaten verkündet: Das moderne Deutschland wollte sie schaffen,die alten Zöpfe abschneiden. Das wirkte erfrischend modern und irgendwie auch erfreulich. Eine Partei, die nicht so angestaubt war, tat dem Land gut. Aber wer sich, vielleicht nur, um aufzufallen, aus dem demokratischen Konsenskreis bewegt, wird Sturm ernten – einen Sturm der Empörung, der der liberalen Parteispitze hoffentlich die populistischen Flausen aus dem Kopf treibt. apz

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