Meinung : Die Freiheit Amerikas

Wir betrachten die Dinge mit alten und jungen Augen

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Liebe Kerstin Kohlenberg, vor 60 Jahren, da war ich schon auf der Welt, sind die Alliierten an der französischen Atlantikküste gelandet – unter ungeheuerlichen Blutopfern haben sie Europa befreit: erst von der Gräuelherrschaft Hitlers. Und dann vor dem Gespenst eines bis zum Atlantik reichenden Sowjetreiches. Hätte es damals schon das Fernsehen und die Friedensbewegung (in den USA) gegeben, die USTruppen hätten niemals zur Befreiung Europas landen können. Angesichts dieser Leistung wird mir schummrig, wie leicht es sich Ihre Generation macht, den Einsatz der USA mit ihren englischen Verbündeten im Irak als Kriegsverbrechen zu verteufeln und Bush jr. zum neuen Beelzebub zu stempeln. Ich glaube, ähnlich wie übrigens Kissinger und auch Vargas Llosa es jetzt geäußert haben, dass der Krieg im Irak ebenso notwendig war. Aber da werde ich wohl kaum auf Ihre Zustimmung rechnen können. Wir sollten der Stabilisierung noch etwas Zeit geben. In Deutschland hat es mindestens zehn Jahre gedauert, bis wir wieder Souveränität übernehmen konnten, zehn Jahre! Und das bei unseren rechtsstaatlichen Strukturen. Ihr Hellmuth Karasek

Lieber Herr Karasek, Sie klingen aber ganz schön resigniert. Kein Bock auf Fernsehen, kein Bock auf Frieden, kein Bock auf Auseinandersetzung. Null Bock, und das Sie? Was ist los mit Ihnen? Nur noch Sehnsucht nach einem Power-Ranger? Haben Sie keine Lust mehr zu reden? Gerade Ihre Generation hat doch erlebt, dass diese ewigen Diskussionen zu einer stabilen Demokratie in Deutschland geführt haben. Und die ganzen Stricksocken nicht zu vergessen, die nebenher noch so entstanden sind. Haben Sie keine Geduld mehr? Oder spielen Sie nachts etwa so krasse Videospiele? Verzeihen Sie, das war jetzt nicht nett, aber die Friedensbewegung zu ängstlichen Teletubbies zu machen, auch nicht. Und dass die Amerikaner damals so wild auf Krieg waren, ist mir ohnehin neu. Bedurfte es da nicht Pearl Harbour, um sie umzustimmen? Die Amerikaner haben uns befreit. Das war gut. Okay, da kann ich Ihnen folgen. Weil die Amerikaner einmal Gutes getan haben, tun sie immer Gutes. Da haben Sie Recht, da kann ich Ihnen wirklich nicht folgen. Ihre Kerstin Kohlenberg

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