Meinung : „Die geistige Frische einer Tigerente“

Joachim Huber

Da verdirbt einer die ARD-Preise. Wenn Günther Jauch im September 2007 die Talknachfolge von Sabine Christiansen antritt, dann wird er seine Engagements für RTL nicht aufgeben, und die reichen vom Showquiz „Wer wird Millionär?“ bis zu „Stern TV“. Während Christiansen und ihre Redaktion für die Vorbereitung ihrer Talkshow eine ganze Woche brauchen, wird die Jauch-Mannschaft ein, zwei Tage benötigen. Auf dem ARD-Tachometer eine klare Geschwindigkeitsübertretung.

Denn das will Günther Jauch: Zwar für die ARD arbeiten, zugleich seine zahlreichen Geschäftsfelder pflegen. Für das Publikum ist der Münsteraner, der Menschen – und sich selbst – zu Millionären macht, der „Stern TV“ und „Jahresrückblicke“ so mitmenschlich zelebriert, der gute Fernsehnachbar. Jauch darf zu einem Kandidaten sagen: „Im Moment vermitteln Sie mir die geistige Frische einer Tigerente.“ Zum „beliebtesten Deutschen“ ist er gewählt worden. Jauch münzt das Image in Werbeeinnahmen um, die er für gute Zwecke weiterreicht. Der Werber will Mäzen sein, sein Wohnort Potsdam hat nicht nur beim Fortunaportal davon profitiert. Da wird Jauch öffentlich, wo er als Privatmann, als verheirateter und vierfacher Vater unter der Tarnkappe leben will. Wer die lüften will, bekommt stante pede Post vom Anwalt.

Günther Jauch ist ein ernsthafter Mensch. In Erziehungs- und Schulfragen hat er sich strukturkonservativ gezeigt. Und er kann eisenhart sein. Das demonstiert er gerade der ARD: An seinen Werbeauftritten will er nicht rütteln lassen, für RTL wird er weiterhin arbeiten. Denn Günther Jauch ist ein Fernsehunternehmer. Als Alleingesellschafter betreibt er in Köln die Produktionsfirma I + U. Auf Bestellung liefert sie den „Haustiertest“ genauso wie „Die WM-Show“ oder „Hape trifft“. Rund 60 Mitarbeiter wollen bei I + U bezahlt sein.

Bei der ARD lockt ihn die Moderation eines gesellschaftspolitischen Talks an prominenter Programmstelle. Vielleicht ist es auch der Wunsch, jetzt, mit 50 Jahren, wieder mehr als Journalist zu arbeiten, wieder bei der ARD. Eine Art Rückkehr. Begonnen hatte er bei Rias Berlin, im Sportfunk. Als er Ende der 70er Jahre für den BR-Hörfunk in Bonn arbeitete, ist er dem damaligen ARD-Studioleiter Friedrich Nowottny aufgefallen. Gerne hätte der Jauch gefördert, aber da war der Jauch längst wieder in München. Thomas Gottschalk und die „B-3-Radioshow“ warteten. Der Rest ist Karriere.

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