Meinung : Die Gießkannen sind leer

Einmal ist keinmal: Deutschlands Universitäten brauchen mehr als nur ein Elite-Programm

Anja Kühne

Für die deutschen Universitäten fällt in der kommenden Woche eine Schicksalsentscheidung. Dann sollen die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzler Schröder die „Exzellenzinitiative“ zur Förderung der Spitzenforschung verabschieden. Für diesen Moment haben deutsche Forscher anderthalb Jahre gekämpft.

Die Unionsländer, allen voran Hessens Ministerpräsident Roland Koch, blockierten das Programm, um Bundesbildungsministerin Bulmahn im Föderalismusstreit in die Knie zu zwingen. Koch blieb hart, noch als die Chefs der Wissenschaftsorganisationen in ungezählten Telefonaten für die Initiative warben, Uni-Präsidenten empörte Briefe schrieben und erstmals in der Geschichte die Spitzen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Wissenschaftsrats und der Hochschulrektoren gemeinsam vor die Öffentlichkeit traten.

Warum so dramatisch? In der Tat ist der finanzielle Umfang des Programms – 1,9 Milliarden Euro über sechs Jahre an ausgewählte Hochschulen – gemessen an den Etats amerikanischer Hochschulen lächerlich klein. Doch den hiesigen unterfinanzierten Universitäten tun sich schon mit diesen Mitteln neue Perspektiven auf. Und bei der Exzellenzinitiative geht es um mehr als um Geld. Es geht um einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel der universitären Forschung.

Dazu gehört es, dass eine Hochschule die knapper werdenden Ressourcen nicht länger zur Zufriedenheit jedes einzelnen Professors mit der Gießkanne über die Uni verteilt, sondern Prioritäten bei den Stärken setzt – und so die Wissenschaft insgesamt stärkt.

Dazu gehört auch, dass die Forschung nicht länger aus den Unis an die außeruniversitären Institute der Max-Planck-Gesellschaft oder der Helmholtz-Gemeinschaft abwandern darf. Dorthin, weg von der zeitraubenden Lehre an den Massenunis, zieht es die Spitzenforscher. Ohne die besten Lehrer wird aber der Nachwuchs sein Potenzial nicht entfalten können, die Forschung sägt den Ast ab, auf dem sie sitzt. Im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern werden nun Unis belohnt, die ihre Stärken ausspielen und sich mit außeruniversitären Einrichtungen vernetzen. Das ist gut.

Die Exzellenzinitiative kann zu einem Einschnitt für die Forschung an den Unis werden. Doch nur, wenn die Politik erkennt, dass auch sie vor einer Zeitenwende steht. Wer von den Universitäten erwartet, dass sie ihre Kräfte konzentrieren, muss mit eigenen Haushaltsentscheidungen vorangehen. Alle Experten sagen, dass das Programm nur etwas bewirkt, wenn es mehrfach aufgelegt wird, über bis zu zwei Jahrzehnte. Anders können die nun gewollten Forschungsprojekte nicht wachsen. Das Geld für die erste Runde wäre zum Fenster hinausgeworfen, Deutschland keinen Schritt im internationalen Wettbewerb vorangekommen. Es geht also um Milliardeninvestitionen in Hochschulen und Forschung. Doch noch ist ungewiss, ob die nächste Bundesregierung überhaupt nur die erste Runde des Programms finanzieren wird.

Im Gerangel um die Exzellenzinitiative ist nicht nur das Vertrauen von Wissenschaftlern in die Politik beschädigt worden. Auch Studierende werden sich fragen, warum sie bald mit anpacken und Studiengebühren entrichten sollen. Ein Staat, der die Weichen selbst nicht entschlossen auf Innovation stellt, kann schlecht von jungen Leuten eine hohe Motivation bei der Mitfinanzierung der Hochschulen verlangen.

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