Meinung : Die globale Genmanipulation

„Grüne Legenden“ vom 12. Januar

Herr Lynas behauptet, dass die Wissenschaftsgemeinde die grüne Gentechnik unisono befürworte, diese uneingeschränkt unverzichtbare positive Wirkungen habe und keine negativen bekannt seien. Diese Behauptungen sind falsch. Die grüne Gentechnik hat ihre Unschuld längst verloren. Empirische Studien zeigen, dass die Versprechungen nicht mehr eingehalten werden und kaum einzuhalten sind.

Ein Beispiel: Die Genmanipulation von Mais zielt u. a. darauf ab, Schädlinge durch die Pflanze selbst (und nicht durch die „chemische Keule“) zu bekämpfen. Amerikanische Wissenschaftler wie Joseph Spencer haben analysiert, dass der zu bekämpfende Schädling Maiswurzelbohrer in diesem Jahr erstmals in großen Massen gegen die genmanipulierten Bekämpfungsmechanismen Resistenzen entwickelt, so dass die Ernten in die Knie gehen. Spencer hat die amerikanische Umweltbehörde EPA aufgefordert, sich dringend mit diesem Problem zu befassen. Derartige Resistenzen treten erst nach Jahren der Genmanipulationen auf (hier zehn Jahren) und bedrohen nicht nur die positiven Versprechungen der Verbesserungen, sondern sie bedrohen die gesamten Ernten über längere Perioden, da der alte Zustand nicht bzw. über längere Zeit nicht wieder herstellbar ist. Die Ergebnisse sind gemessen an vorhandenen Welthungerproblemen katastrophal. Es droht das zusätzliche Verhungern von Tausenden, bei großflächiger Anwendung gar von Millionen von Menschen.

Richtig ist, dass die traditionelle Landwirtschaft das Welthungerproblem nicht lösen kann. Es bedarf einer naturverträglichen Landwirtschaft bei gleichzeitiger Reduzierung der Weltbevölkerung.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel,

Halle-Wittenberg

Bedenklich stimmt mich, was Herr Lynas nicht schreibt. Nichts von der Kombination von Düngemittel, Herbizid und genmanipulierten Nutzpflanzen, die genau gegen dieses Herbizid unempfindlich sind. Nichts über Patentschutz an Pflanzen, nichts über das Verbot für Farmer, solche selbst weiter auszusäen, nichts über die Abhängigkeiten, die dadurch geschaffen werden, nichts über die Marktmacht von transnationalen Unternehmen wie Monsanto. Dafür werden Produkte eben dieser Firma mit beworben: Roundup, Glyphosat. Eine Werbeagentur für Monsanto hätte die Sache nicht besser formulieren können.

Dr. Uwe Langendorf,

Berlin-Schmargendorf

Ein Politikwissenschaftler ändert seine Meinung und tut dies vor der Royal sonst was Society kund. Weiß ich, wo seine Stipendien und Fördergelder herkommen? So billige Polemik enthält nämlich sein (PR-)Vortrag: „Steigerung des Chemikalieneinsatzes bei Gen-Pflanzen Legende“ – wie beweist er das? In Kanada, wo auf über 90 Prozent der Fläche mit Genanbau gearbeitet wird, auch USA und Süd-/Mittelamerika, wird mehr „Roundup“ (darum geht’s Monsanto eigentlich) benötigt, da sich unerwünschte Wildkräuter an dessen Einsatz gewöhnen bzw. auch Superunkräuter entstehen, die nicht mehr bekämpfbar sind. „Große Unternehmen und Bauern bekommen Milliarden“, möchten Sie, dass unsere Nahrung in Zukunft nur von zwei oder drei Saatgutkonzernen erzeugt wird? Darauf läuft es hinaus. Monsanto, Pioneer u.a. vergeben Lizenzen an Bauern für Saatgut und Chemikalien, diese müssen jedes Jahr neu kaufen und dürfen nicht selber nachzüchten. Inder und Brasilianer, die GVO's (Gentechnisch veränderte Organismen) in ihre Länder „schmuggeln“, wollen einfach am dortigen Boom teilhaben, weil dort teilweise nichts anderes als GVO's wächst und deren Einkreuzung in konventionelle Bestände fast nicht vermeidbar ist. Gefahr: Da Mais aus Südamerika stammt, gibt es in Europa keine verwandte Wildpflanze, wo er sich auskreuzen könnte, dafür aber in konventionell angebautem Mais. Bei anderen Pflanzen wie z. B. Raps ist diese Gefahr aber gegeben. Eine Vermischung mit Wildpflanzen wäre eine lebensbedrohende Umwandlung der Natur in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

Der Vergleich von Biosprossen mit Tschernobyl ist so zynisch wie unverfroren. In der Ukraine und Weißrussland sterben heute noch Menschen an Schilddrüsenkrebs. „Glyphosat, harmlos". Dies ist der Grundstoff für Roundup, einem Wildkrautvernichter, der auf der ganzen Welt verkauft wird. Dieser Stoff darf in Berlin im Freiland nur mit Genehmigung des Pflanzenschutzamtes verwendet werden. Die EU-Komission wollte ihn vor Jahren verbieten, da er sämtliche Kleinlebewesen im Boden tötet. Wer hat sich hier wohl durchgesetzt?

Frank Klatt, Gärtnermeister und

Naturnutzer, Berlin-Lichterfelde

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