Meinung : Die großen Schweiger Ulla Schmidt und Horst Seehofer

sagen bei „Christiansen“ ab

Tissy Bruns

Offiziell wissen wir nicht, ob wir künftig beim Arztbesuch zehn Euro pro Quartal Eintrittsgeld berappen müssen. Denn die Gesundheits-Kommission von Ulla Schmidt und Horst Seehofer hat sich eine bittere Medizin verordnet:Schweigen. Bis zum Ende der Verhandlungen. Damit niemand den schwierigen Einigungsprozess mit Diskussionen über Halbgares belasten kann.

Als normaler Mensch hat man ja gar keinen Begriff, wie schwer das Schweigen für einen Berufsstand ist, dem die Kunst der Rede als wichtigste Qualifikation gilt. Die Öffentlichkeit lebt davon, dass Politiker reden oder einfach nur schwätzen, denn aus Reden und Geschwätz werden Informationen. Deshalb wissen wir im Grunde doch schon, dass wir künftig zehn Euro für den Arztbesuch zahlen werden. Das dringt aus einer verschwiegenen Kommission einfach heraus. Es kann nützlich sein, gewisse Unannehmlichkeiten frühzeitig unters Volk zu bringen. Dann ist die Aufregung schon verraucht, wenn man mit dem Großen und Ganzen kommt.

Die Schmidt/Seehofer-Kommission schneidet im Vergleich mit anderen Kommissionen beachtlich ab. Denn es wurde wirklich ziemlich eisern geschwiegen, obwohl tausend Versuchungen auch die Mitglieder dieser Kommission zum Gegenteil verleiten wollten. Kameras und Mikrophone vor und nach den Verhandlungen, Interview-Anfragen aller Art. Man hätte kurzfristig berühmt werden können als schwatzhafter Gesundheits-Hinterbänkler. Besonders Ulla Schmidt und Horst Seehofer haben sich immer etwas einfallen lassen, um die Öffentlichkeit trotzdem bei Laune zu halten. Die Ulla hat, zum Beispiel, dem Horst Tassen zum Geburtstag geschenkt, weil der mal gesagt hat, die Gesundheitsministerin hätte nicht alle Tassen im Schrank. Auch die CSU hat mitgespielt und immer wieder die Neugier von der Gesundheit auf die Person gelenkt: Nur 85 Prozent für Seehofer auf dem CSU-Parteitag, meine Güte, was hat das denn zu bedeuten?

Das absolute Meisterstück in Sachen Schweigetaktik haben Schmidt und Seehofer aber von langer Hand geplant. An dem Sonntag, an dem alle gespannt darauf warten, ob die Verhandlungen scheitern oder gelingen, an dem in den Parteien gewisse Leute schon die Messer wetzen - für diesen Sonntagabend also ist das Schweigekartell Schmidt/Seehofer bei „Christiansen“ angekündigt – und sagt in letzter Minute ab.

Nur ganz schlichte Gemüter werden einen Widerspruch sehen zwischen Schweigen und Fernsehauftritt. Eingeweihte wissen, dass wichtige Information sich am besten da verstecken lassen, wo laut geredet wird. Oder? Zehn Euro zahlen wir in jedem Fall. Die Absage ist eine gute Botschaft: Schmidt und Seehofer wollen sich einigen.

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