Meinung : Die Grünen: Zu früh gefreit, zu spät gereut

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Als Berlins Grüne beschlossen, man könne die Hauptstadt ja auch mit der PDS regieren, regte sich kaum Widerstand. Und sonderlich intensiv diskutiert wurde auch nicht. Jetzt bekommen mehr und mehr Bundes-Grüne Bauchschmerzen, wenn sie an einen Wowereit-Gysi-Senat mit Juniorpartnerin Klotz denken. Erst meinte die Parlamentarische Geschäftsführerin Göring-Eckardt, ihr persönlich sei es viel wichtiger, die PDS aus der Verantwortung herauszuhalten als die FDP. Jetzt hat Fraktionschef Schlauch gesagt, da gehe er konform. Das Wehklagen danach hilft den Grünen indes nicht aus ihrem Dilemma. Würden sie in Berlin zwischen SPD und PDS zerrieben, wäre dies ein fatales Signal auch für den Bund. Eine Ampel mit dem bundespolitischen Hauptkonkurrenten FDP - falls die denn in der prognostizierten Stärke ins Abgeordnetenhaus einziehen sollte - wäre mehr als ungeliebt. Machtlos müssen die Grünen zusehen, wie sich der Kanzler derweil den Liberalen annähert. Schröder schafft sich Optionen. Sein Koalitionspartner verbaut sich eine: Schwarz-Grün. Nichts wäre, gerade in Berlin und trotz der Blamage in Frankfurt, perspektivisch logischer. Nur stören die Urgeschichte der lokalen Grünen und die jüngste Vergangenheit der CDU. Da bleibt nicht viel. Das kräftige Jammern zwischen Beschluss und Vollzug dient also vor allem der Selbst-Tröstung. In irgendeinen Apfel werden die Grünen beißen. In einen sauren. Wohl mit Gysi-Geschmack.

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