Meinung : Die im Dunkeln sieht man jetzt besser

HÄUSLICHE GEWALT

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Vom ersten Jahr aufs zweite: 80 Prozent Steigerung. Vom zweiten aufs dritte: 73 Prozent Steigerung. Es geht hier um etwas Schauerliches, über das normalerweise geschwiegen wird: Die Fallzahlen häuslicher Gewalt. Es geht also um prügelnde Ehemänner oder auch frauen und um die Scham der Geprügelten, darüber zu reden. Ein Jahr ist es her, dass der Platzverweis für Gewalttäter aus der eigenen Wohnung Gesetz wurde. Dass die Zahlen seither so stark gestiegen sind, heißt nicht, dass jetzt mehr geprügelt wird. Sondern es bedeutet, dass mehr Opfer sich trauen, zur Polizei zu gehen. Die bewirkt dann, dass der Gewalttäter seine Wohnung für eine Weile nicht mehr betreten darf, dass er Abstand halten muss und sich auch anderen Orten, an denen sich das Opfer regelmäßig aufhält, nicht nähern darf. Für maximal 14 Tage. Mittlerweile haben zwar alle Bundesländer solche oder ähnliche Regelungen. Berlin aber war nicht nur mit am schnellsten, sondern auch am gründlichsten. Hier nämlich haben sich die Beteiligten abgestimmt, freie Träger an Bord geholt, Öffentlichkeit hergestellt. Das Thema wurde schnell bekannt, Betroffene erfuhren, dass sie ihr tägliches Leid nicht erdulden müssen. Und fassten Vertrauen in die behördlichen Reaktionen. Die hohen Fallzahlen sind deshalb ein Erfolg – der Aufklärung. fk

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