Meinung : Die kluge Demonstration

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Schurkenstaat und Fußballland, passt das zusammen? In Iran hat die deutsche Nationalmannschaft 250 000 Menschen bewegt, über 100 000 von ihnen waren im Stadion, der Rest drumherum. Friedlich. Bundestrainer Klinsmann und seine Fußballer sind empfangen und behandelt worden wie Könige – und Freunde. Solche Emotionen verbindet man zurzeit nicht mit dem erzkonservativreligiösen Regime. Iran bedeutet ja: Streit um das Atomprogramm, traurige Rekordzahlen von Hinrichtungen, wachsende Bedrohung von Journalisten. Washington kritisiert, dass man mit einem solchen Staat Wirtschaftsbeziehungen haben kann. Aber Klinsmann und Co. sind auch deshalb so beliebt, weil Deutschland seit der Ära des Außenministers Klaus Kinkel einen „kritischen Dialog“ mit Teheran führt und bis heute nicht abgebrochen hat. Dieser Dialog, hinzu kam die engagierte Erdbebenhilfe aus Deutschland, hat dazu geführt, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Religionsführer in Deutschland einen Partner sehen. Ob sie politisch auch auf ihn hören, ist allerdings eine andere Frage. Die Fußballbegeisterung der Menschen hat jedenfalls gezeigt, dass das iranische Volk klug ist. Es hat seine Sympathien und seine Dankbarkeit für Deutschland demonstriert, ist dabei an die Grenzen der Regeln dieses restriktiven Staates gegangen, ohne das Regime offen in Frage zu stellen. Am gescheiterten Reformprozess wird das nichts ändern, es belegt aber den Freiheitsdrang der Menschen. ale

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