Meinung : Die Krux mit den Nummern

„Die Mauer der Bürokratie“ vom 19. Juli

In der Tat gibt es zum Thema Bürokratie in Berlin drei Rechtsvorschriften, wovon jedoch zunächst eine kein „kunstvoll erdachter, historisch aufgeladener Berliner Kosmos“, sondern ein Bundesgesetz ist – das Baugesetzbuch. Die beiden Berliner Rechtsvorschriften gehen dann Hand in Hand – Ermächtigungsvorschrift in einem Landesgesetz, dem Vermessungsgesetz, mit einer Rechtsverordnung; rechtssystematisch ist das eher als eine Regelung zu betrachten.

Schon Mark Twain beschwerte sich nach einem Berlin-Besuch 1892 bitterlich über Probleme des Auffindens der Häuser in Berlin – bei ansonsten höchstem Lob über das „Chicago Europas“. Polizisten, Taxifahrer, Postzusteller oder Notarztwagenfahrer können aber auch heute noch viele Geschichten über fehlende, falsche oder nicht sichtbare Grundstücksnummern erzählen.

Natürlich kann man auf diesen Teil der Bürokratie verzichten, käme dabei sogar dem Laisser-faire vieler entgegen, die sich durch Hausnummern belästigt fühlen, grundsätzlich opportunistisch eingestellt sind oder nach Anonymität streben. Auch die Tagesspiegel-Redaktion kann man mit Lageangaben leicht finden wie sie in Zentralafrika gebräuchlich sind (z. B. „nahe vom Mövenpick-Hotel“).

Während es Gesellschaften gibt, die ganz ohne Hausnummern auskommen, ist dies in Mitteleuropa aber undenkbar. „Die Heimatadresse ist integraler Teil persönlicher Identifikationsdaten (Weltbank).“ Eine Hausnummer ist wie selbstverständlich da, etwas ganz Alltägliches, mit einem Straßennamen überall als Adresse anzugeben. Um dieses sachgerecht in einen Ordnungsrahmen zu bringen, sind Vorschriften erforderlich, egal ob in Berlin, Düsseldorf oder Hamburg.

Hans-Gerd Becker, Schönwalde-Glien

1969 wurde in der letzten Senatspressekonferenz des Jahres eine neue Grundstücksnumerierungs-Verordnung vorgestellt. Den Medien und der Verwaltung lagen viele Schreiben von Taxifahrern und Notdiensten vor, die sich alle über fehlende Kennzeichnungen der Grundstücke beklagten. Die einzige Frage der Presse damals war, ob nun endlich auch eine erkennbare Kennzeichnung vorgeschrieben worden sei. Nein, das gelang erst nach 1974, als die Rechtsgrundlage dafür geschaffen war. Später gab es eine heftige Diskussion über Straßenreinigungsentgelte. Sollen „Grundstücks-Hinterlieger“ weiter von der Pflicht entbunden werden, Straßenreinigungsentgelte zu zahlen, weil sie keine Straßenfront besitzen und nach welchen Kriterien (z. B. Fläche) veranlagt werden soll.

Günther Bolze, Berlin-Heiligensee

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