Meinung : Die lange Schlacht der Volksmusik

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In Deutschland ist eine brutale Schlacht ausgebrochen, und niemand warnt vor ihr, nicht einmal Attac oder Wolfgang Thierse, die doch sonst praktisch vor allem warnen. Es handelt sich um den Volksmusikkrieg zwischen ARD und ZDF, die sich beide ähnlicher Massenvernichtungswaffen bedienen: Akkordeons, Zithern, Lederhosen, Dirndlkleider. Seit ZDFAgenten die ARD-Geheimwaffe, den sog. Carmennebel, entführt haben und die ARD mit der Entwicklung des Silbereisens konterte, ist nichts mehr, wie es war. Mindestens drei Mal pro Jahr werden die Geschütze zeitgleich gegeneinander abgefeuert, es kracht mörderisch, und auf dem Schlachtfeld bleiben Myriaden von tödlich getroffenen Quoten zurück, während die Intendanten optimistische Erklärungen abgeben wie einst Lügen-Ali in Bagdad. Vermutlich kann nur noch ein erfahrener Friedensstifter wie Jürgen Trittin helfen, der gerade die Emissionsquote für die Industrie zur Serienreife bringt. Denn die wäre ja auch auf TV-Sender anwendbar: Jeder erhält nur eine bestimmte Menge von Trompetensoli, Bergschnulzen und Schmalztenören zur Emission zugeteilt, und was er davon nicht selbst wegsendet, kann er der Konkurrenz verticken. So würden die Kriegsparteien zur Kooperation gezwungen. Verstöße werden mit André Rieu nicht unter zehn Jahren bestraft.

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