Meinung : Die Liberalenzwischen FDP und FPÖ

Warum Westerwelle das Duell mit Möllemann sucht

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Von Stephan-Andreas Casdorff

Wer will jetzt noch bestreiten, dass die FDP schlingert? Auch Guido Westerwelle kann es nicht, nicht im Ernst. Auf dem Sonderparteitag in zwei Wochen entscheidet sich das Schicksal der Partei. Gewinnt Westerwelle die Kraftprobe gegen Jürgen Möllemann, kann das die FDP spalten. Jedenfalls könnte Möllemann mit der Spaltung drohen, um tektonische Verschiebungen bei den Inhalten zu erreichen. Sollte aber Möllemann die Kraftprobe überstehen, ist Westerwelle gespalten – in der Mitte durch.

Ein Nachfolger für Westerwelle, genauer: ein Liberaler, der die Partei mit ausreichend Charisma und inhaltlicher Dominanz zusammenhält, ist kaum zu finden. Die Männer von gestern können nicht mehr glaubwürdig Aufbruch verkörpern. Eher würde sich vollenden, was in Nordrhein-Westfalen – ausgerechnet – vor Jahrzehnten seinen Ursprung hatte: die Renaissance des nationalen Elements in der liberalen Partei. Immer waren da Spurenelemente zu finden, auch manche extremen und populistischen Vertreter wie zum Beispiel Heiner Kappel oder Alexander von Stahl. Aber nie konnten sie die Mehrheit stellen, vielmehr verabschiedete sich früher oder später die Minderheit. Das drohte im Blick auf den Fall Möllemann auch jetzt.

Möllemann ist zwar kein Nationalliberaler im tradierten Sinn, aber er ist der, der diese Geister rief. Und nicht wieder los würde: Auch wenn er sich bemühte, seine rest-liberalen Vorstellungen hoch zu halten, sie würden ihn begleiten und seinen Auszug aus der Partei für ihre Zwecke nutzen. Hinzu kommt, dass Möllemann ein Spieler ist. Er könnte in Versuchung geraten, zu beweisen, dass ein Haider light mit der gemäßigten Version der Freiheitlichen in Deutschland eine Chance hätte, die kleine Volkspartei zu werden, die die FDP vorerst nicht mehr wird. Vorbilder dafür gibt es in Europa, und er nennt sie ja auch gerne alle.

Westerwelle hat sich diese Gefahr selbst zuzuschreiben. Wer Ansprüche fernab der Realität formuliert und dann noch sagt, alles unter 18 Prozent sei eine Niederlage, der muss die Niederlage auch verantworten. Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es nämlich den einen, der die Sache regelt.

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