Meinung : „Die Linke muss Alternativen entwickeln“

Lars von Törne

Sein Amt nahm Klaus Lederer mit einem Scherz an. „Ich stehe für die Vergreisung der Linkspartei“, sagte der neue Berliner Landesvorsitzende, der am Wochenende auf dem Parteitag gewählt wurde. 31 Jahre ist der Jurist alt – während seine Vorgänger Stefan Liebich und Petra Pau jeweils mit 29 Jahren die Parteiführung übernommen hatten. Der Witz hat einen ernsten Hintergrund. Nach außen hin wird die Linkspartei/PDS oft noch als nostalgische Greisentruppe wahrgenommen. So gesehen, wird Lederers Wahl in der Partei als Beleg gesehen, dass die Erneuerung weitergeht. Und es ist ein Zeichen, dass Berlins Sozialisten auch weiterhin auf Realpolitik setzen. Denn dafür steht der Schweriner, der 1992 in die PDS eintrat und sich lange in der Bezirkspolitik in Prenzlauer Berg engagierte. Das stellte Lederer in seiner Rede klar: „Jede ernst zu nehmende linke politische Kraft kann nur anhand der vorgefundenen Zustände ihre Alternativen entwickeln.“

Der neue Vorsitzende genießt in der Partei hohes Ansehen, auch wenn er es den eigenen Genossen nicht immer leicht macht. „Er kann komplizierte Dinge gut erklären und fordert die Leute auf, seinen Gedankengängen zu folgen“, sagt Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und meint damit: Lederer beschränkt sich nicht auf plakative Formeln, sondern er fordert klare Stellungnahmen der Partei auf die realen Herausforderungen. Das wird vor allem bei der Auseinandersetzung mit der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) deutlich. Mit der will man im Interesse einer gesamtdeutschen Linkspartei bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 kooperieren. Doch bislang lehnt der potenzielle Partner wegen der rot-roten Landespolitik eine Zusammenarbeit ab. Lederer hält die Fortsetzung von Rot-Rot für die realistischste Option, zeigt sich aber diskussionsbereit. „Über Stil und Inhalt unserer Politik reden wir offen“, sagt er.

Lederer möchte auch als Parteichef den Kontakt zur wirklichen Welt jenseits der Politik nicht verlieren. Deswegen wollte er erst sein Jurastudium abschließen, bevor er sich ganz dem neuen Amt widmet. Das ist ihm knapp gelungen. An diesem Montag erfährt er die Ergebnisse des zweiten Staatsexamens. Zu Lederers sachlichem Stil passt auch der Umgang mit einem privaten Detail: Lederer ist schwul. Statt dies jedoch wie zum Beispiel Klaus Wowereit öffentlich zu thematisieren, findet er derlei Privates politisch irrelevant. „Ich mache da kein Geheimnis draus, aber es ist nebensächlich.“

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