Die Linke : Plädoyer für die Auflösung einer Partei

Diese Linkspartei, die will keiner behalten. Denn für die Zukunft taugt der schon mal gar nicht, der ein Agent des Gestern ist. Ein Kommentar.

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Fahnen der Linkspartei im Wind.
Fahnen der Linkspartei im Wind.Foto: dpa

Wir wollen unsere alte Linke behalten. Das wäre doch keine Linke mehr, wenn sie nicht für die Mauer einträte, nicht in der Jungen Welt inserierte, Fidel Castro nicht feierte, nicht Karl Liebknecht und nicht Rosa Luxemburg. Und Marx, nicht zu vergessen, Engels. Überhaupt, die DDR, sie war doch nicht …

Halt, stopp, hier geht es nicht weiter, so geht es nicht weiter. Nicht in diesem Text, aber auch nicht mit dieser Partei. Diese Versuche der Linken-Führung, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch, alte Reflexe hervorzurufen, um alte Wähler an die Urnen zu bringen, verdient, ja, was? Jedenfalls nicht, dass man nicht darüber spricht.

Gehen wir mit der sogenannten Linken ins Gericht. Pro: Im besten Fall lässt sich sagen, dass ihr selbstverstandener (und von Oskar Lafontaine für sie und sich erfundener) Auftrag erfüllt ist. Wenn sogar Frank Schirrmacher jetzt links ist oder wenigstens darüber nachdenkt, ob Links nicht richtiger als Rechts lag, dann ist die Welt links. Mehr geht doch nicht.

Das muss keinen erschrecken. Es ist nur so, dass nach lauter Krisen (die übrigens, Ironie der Geschichte, zuweilen zyklisch daherzukommen scheinen) alle demokratischen Staatenlenker anfangen, alte staatliche Instrumente daraufhin anzuschauen, ob sie taugen, der Märkte und seiner Mächte Herr zu werden. Der Mächte, die sie vorher riefen. Und dass sie neue Instrumente prüfen, siehe die Debatte um eine europäische Wirtschaftsregierung, die noch nicht zu Ende ist.

Oder nehmen wir die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank (entgegen dem Geist bisheriger Verträge) immer mehr der Politik zu Willen ist; oder die anhebende Debatte über steuerliche Mindestsätze in Europa. Oder, oder, oder. Die Partei „Die Linke“ könnte sich darob ins rote Fäustchen lachen – und sich auflösen. Mehr kann man als Perspektivagent der Zukunft nicht erreichen.

Falsch? Na dann umgekehrt, contra: Die Linke muss sich auflösen, und die Linken-Wähler müssen von Sozialdemokraten, Grünen und Christdemokraten und -sozialen übernommen werden, weil erstens die sogenannte Linke gar keine ist. Sie ist mindestens so strukturkonservativ wie die CDU und weite Teile der SPD (womit jetzt mal nicht Sarrazin gemeint ist). Zum anderen haben die, die soziale Gründe hatten oder die Solidarität in den Vordergrund stellen, bald weniger zu klagen, wenn die Steuerreform für untere und mittlere Einkommen zustande kommt. Zum Dritten: Wer von der Spitze her die Mauer mit irgendeiner, und sei es noch so hergeholten, Begründung zu rechtfertigen scheint, um bei Kadern in Lichtenberg zu punkten, wer Castro bejubelt, der bei näherem Hinsehen auch nicht besser ist als jeder andere Feld-Wald- und-Wüsten-Despot – sagen wir: Gaddafi –, der muss deaktiviert werden. Wenn das nicht einmal die Führung der Berliner Linkspartei völlig anders sieht

Diese Linke, die will keiner behalten. Denn für die Zukunft taugt der schon mal gar nicht, der ein Agent des Gestern ist.

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