Meinung : Die Luxuskommission tagt

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Eine unserer letzten echten Volksweisheiten besagt, die Schere zwischen Arm und Reich klaffe in Deutschland immer weiter auf. Die statistischen Belege weisen zwar eher in die entgegengesetzte Richtung, aber das kümmert die Scherenfeinde wenig – dazu ist das Bild einfach zu schön. Wenn es gegen die Reichen geht, ist eine Mehrheit schnell gefunden, und landläufig gilt, dass die Abschaffung der Armut einfach wäre, wenn die Reichen bloß das Geld dazu herausrücken würden. Das macht den Charme der Vermögensteuer aus, doch die reicht ja nicht. Deshalb ist es verdienstvoll, dass kirchliche Sozialexperten jetzt die „Luxusmehrwertsteuer“ einführen wollen: Alles, was der Reiche nur kaufen kann, weil er reich ist, gilt als Luxus. Ein Beispiel aus der Getränkeszene? Bier: halbe Mehrwertsteuer. Sekt: volle Mehrwertsteuer. Champagner: Luxusmehrwertsteuer. Bockwurst/Salami/Parmaschinken, Fahrrad/Golf/Daimler – so etwa. Man sieht die Luxusbewertungskommissionen schon schwitzen: ÖkoButter? Gourmet-Menüs? Playstations? Steuer drauf, und die Schere ist zu. Danke, Kirche, für diese lebensfrohe Perspektive, die unsere Wirtschaft sicher ungeheuer ankurbeln wird. In Ewigkeit, Aldi.

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