Meinung : Die Macht, die nichts macht

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Es war einmal eine gute, schlechte Zeit. Sie dauerte etwa ein Jahr und ging vor wenigen Wochen zu Ende. Damals eskalierte der Nahost-Konflikt, und die USA schauten unbeteiligt zu. Das war zwar schlecht, erlaubte aber zumindest die Hoffnung, alles könne besser werden, wenn Bush sich bloß endlich engagiert, wenn Machtworte ertönen und Druck ausgeübt wird. Inzwischen befinden wir uns in einer schlechten, schlechten Zeit. Die Lage ist noch ernster als zuvor, aber der Glaube, die Bush-Regierung könne den Gang der Dinge entscheidend beeinflussen, ist dahin. Nichts wird sich tun in Washington, gar nichts. Mit leeren Händen ist der Kronprinz von Saudi-Arabien abgereist. Bush nimmt seine und die Verbitterung aller Araber zur Kenntnis, mehr nicht. Denn von der anderen Seite bedrängt ihn eine agile und den amerikanischen Diskurs zunehmend dominierende Pro-Israel-Lobby. Wahrscheinlich wird das Repräsentantenhaus kommende Woche eine Resolution verabschieden, in der Arafat des Terrorismus bezichtigt und Scharon eine Erhöhung der Finanzhilfen in Aussicht gestellt wird. Über ihren weiteren Kurs in der Nahost-Frage ist die US-Regierung gespalten. Der klügste Kopf, Außenminister Powell, wird von den Falken im Kabinett kalt gestellt. Eine derart aufgeladene innenpolitische Stimmung verhindert jeden Lösungsansatz. Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Und wir sind, wie es in dem Lied von „BAP“ so schön heißt, nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert. mal

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