Meinung : „Die Natur ist für mich bis heute erregend“

Dagmar Dehmer

Heinz Sielmann habe die Natur in die Wohnzimmer gebracht, sagt der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Heinz Brickwede. Für seine Lebensleistung ist der Tierfilmer und Naturforscher nun mit 88 Jahren mit dem deutschen Umweltpreis belohnt worden. Er teilt sich die mit 500 000 Euro höchstdotierte Umweltauszeichnung mit dem früheren schleswig-holsteinischen Umweltminister Berndt Heydemann (75) und dem Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme in Freiburg, Joachim Luther (64).

Ganze Generationen von Kindern sind mit den „Expeditionen ins Tierreich“ aufgewachsen, die in der ARD bis 1991 gezeigt wurden. Sie begründen den Ruhm von Heinz Sielmann. Angefangen hat Sielmann als Regisseur beim „Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht“. 1954 entstand dabei sein wohl bekanntester Film aus der Frühzeit: „Die Zimmerleute des Waldes“. Er zeigte spektakuläre Bilder von Spechten aus dem Innern einer Baumhöhle, die er aufgeschnitten und mit einer Glasplatte versehen hatte. In Kongo drehte er in den späten 50er Jahren einen preisgekrönten Film über Gorillas. 1960 filmte er auf den Galapagos-Inseln und machte sich als Produzent selbstständig.

Seit den 70er Jahren nahm er sich immer öfter ökologische Fragen vor. Jahrelang produzierte er Filme über die letzten Tierparadiese in Deutschland. „Ich kümmere mich um Artenschutz“, sagt Sielmann. Politik wollte er nie machen. Nach dem tragischen Tod seines Sohnes, der 1978 in Kenia verunglückt ist, brachte er sein Vermögen in eine Stiftung ein. Diese Stiftung kauft Reservate von den baltischen Staaten bis nach Spanien auf, um Vögel auf ihren Wanderungen nach Süden zu unterstützen. Auch in Brandenburg hat Sielmann vor einiger Zeit ein solches Reservat gekauft. Sielmann hat immer eine besondere Vorliebe für Vögel gehabt. In einem Interview mit dem Tagesspiegel zu seinem 85. Geburtstag sagte er: „Ich habe mich früh verliebt in diese Welt, in das Tüilit, tüilit.“ In seinem Garten bei München habe er 80 Vogelarten gezählt.

Sielmann bezeichnet sich selbst als Optimisten. Doch seine Bilanz ist traurig. Im selben Interview sagte er: „Wir gehen maßlos mit der Erde um. Sie wird uns für unsere Maßlosigkeit bestrafen, hart bestrafen.“ Dabei werde der Mensch die Natur nicht umbringen, vorher gehe eher der Mensch kaputt. Aber: „Es wird uns an den Kragen gehen, das steht für mich fest.“

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