Meinung : Die Partei hat Vorrang

„FDP für Wulff / Stimmen aus dem Osten“ von Antje Sirleschtov vom 16. Juni

Der Sprecher der ostdeutschen FDP-Bundestagsabgeordneten Joachim Günther sagte laut oben genanntem Artikel, „es gehe um Koalitionsfragen und nicht um persönliche Fragen“, also um die Koalition und nicht darum, eine unabhängige, konservativ-liberale Persönlichkeit für das höchste deutsche Staatsamt zu wählen. Es geht ihnen also zuerst um die Partei und ihre persönliche politische Zukunft und nicht um das Land. Diese Aussage von einem ostdeutschen Abgeordneten zu hören, der einer Partei angehört die das Wort „frei“ in ihrem Namen trägt, ist politisch sehr bemerkenswert. Ging es doch in der DDR bis 1989 genau nach der Maxime „zuerst die Partei“!

Was ist diese Koalition eigentlich noch wert, wenn eine politisch unabhängige, konservativ-liberale Persönlichkeit wie Herr Gauck als Bundespräsident diese Koalition in Gefahr bringt?

Erwin Loßmann, als FDP-Mitglied in der Bundesversammlung von 1994,

Berlin- Wilmersdorf

„Die Fragen bleiben / Horst Köhler liefert auch bei seinem Abschied von Bellevue keine weitere Erklärung für seinen Rücktritt“ von Stephan Haselberger

vom 16. Juni

Eine Erklärung für seinen Rücktritt gab der Altpräsident nicht nur mit seinem kurzen Statement „über den notwendigen Respekt und die Wahrhaftigkeit in der politischen Kultur unseres Landes“.

Mit seiner Wahl des St.-Louis-Blues gab er dem Volk noch einen zusätzlichen Hinweis auf seine Rücktrittsgründe. Eine der Versionen des St.-Louis- Blues beginnt: „Es gibt zwei Menschen auf dieser Welt, die kann ich einfach nicht ausstehen: Das ist eine Frau mit zwei Gesichtern und ein lügender Mann. Ich werde die Stadt (daher) verlassen.“

Köhler hat mit seinem Rücktritt die Öffentlichkeit zum Nachdenken über den Zustand der Politik in Deutschland gebracht. Dies ist ihm hoch anzurechnen. Der seiner Art entsprechende dezente Hinweis bei seiner Verabschiedung passt bestens dazu.

Otto Eigen, Berlin-Kladow

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