Die Politik und die toten Kinder : Falsche Reflexe

Die Familientragödien der vergangenen Woche sind politisch nicht lösbar - auch nicht mit Chefsache-Rhetorik.

Könnten verbindliche Vorsorgeuntersuchungen Affekthandlungen psychisch schwer gestörter Mütter verhindern? Wahrscheinlich nicht. Kann eine Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten die Situation der Kinder in Deutschland verbessern? Kaum. Dennoch wird beides selbstverständlich wieder auf die Tagesordnung gesetzt – als ob Familienministerin Ursula von der Leyen und Kanzlerin Angela Merkel es nicht besser wüssten. Es ist offenbar schwer auszuhalten, dass die Familientragödien der vergangenen Woche nicht nur nicht politisch lösbar sind, sondern sich dem politischen Takt des Berliner Betriebs völlig entziehen. Das ist aber kein Thema, das mit Chefsache-Rhetorik zu lösen ist. Und schon gar nicht eines, mit dem man Dinge verknüpfen sollte, die man anders politisch nicht durchsetzen konnte. Wenn man wirklich etwas ändern wollte, würde man die Arbeit der Jugendämter verbessern – dort waren die jüngsten Fälle allesamt bekannt. Man würde dort, wo die Ämter gleichgültig sind, das Personal austauschen – und dort, wo vorbildlich gearbeitet wird, Rat suchen. Am Ende würde auch das nicht verhindern, dass wieder Kinder zu Tode kommen werden. Aber wenn man alles getan hat, was man nach menschlichem Ermessen tun konnte, müsste man das aushalten lernen. uwe

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