Meinung : „Die Reaktionen sind positiv“

Sebastian Bickerich

Dass er Nachfolger von Kofi Annan werden will, das hat er schon im Februar angekündigt – damals war das eine kaum ernst genommene Fußnote im internationalen Protokoll. Fünf Monate und viele geheimdiplomatische Manöver später ist Ban Ki Moon seinem Ziel nun deutlich näher gerückt. In einer vertraulichen Abstimmung im UN-Sicherheitsrat in der Nacht zum Mittwoch nahm der südkoreanische Außenminister überraschend deutlich die erste Hürde eines Prozederes, das die Weltorganisation eher im Licht eines Geheimbundes denn eines transparenten Apparates zeigt.

Denn die Regeln für die Wahl zu dem diplomatischen Spitzenjob, den angeblich einmal Ex-Außenminister Joschka Fischer angestrebt haben soll, sind nur auf den ersten Blick einfach. In der UN-Charta heißt es, der Generalsekretär werde „auf Empfehlung des Sicherheitsrates von der Generalversammlung ernannt“. Das lässt Raum für Absprachen und ungeschriebene Regeln – gerade davon kann Ban profitieren. Nach einer dieser Regeln, die unlängst inoffiziell auch von den USA, Großbritannien und Frankreich anerkannt wurde, herrscht bei der Besetzung des Postens regionaler Proporz – Asien ist demnach an der Reihe, das mit dem Burmesen U Thant erst einen Vertreter an die Spitze der Weltorganisation entsandt hat.

Ob Ban Ki Moon wirklich Anfang Oktober zum neuen Generalsekretär gewählt werden wird, ist nach der Testabstimmung, die er gegen Kandidaten aus Indien, Thailand und Sri Lanka gewann, zwar noch lange nicht entschieden. Ausgehandelt wird die Personalie letztlich im Gekungel der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, und nichts geht dabei ohne die Zustimmung der USA. Doch sein diplomatisches Geschick, das er vor allem bei den Atomverhandlungen mit Nordkorea mehrfach unter Beweis stellte, und seine Affinität zu den USA dürften Ban zumindest nicht im Wege stehen.

Noch nicht geäußert hat sich der 62-Jährige über seine Rolle als möglicher Generalsekretär. Eine erste Bewährungsprobe könnte ein Resolutionsentwurf der G 77, der Gruppe der Entwicklungsländer sein. Darin fordern die 132 G-77-Staaten den Sicherheitsrat auf, der Vollversammlung nicht mehr nur einen Kandidaten für den Sitz des UN-Chefs „zum Absegnen“ vorzulegen, sondern mehrere Kandidaten vorschlagen. Die Zeit geheimer Abstimmungen wäre dann vorbei.

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