Meinung : Die Rede vom Handeln

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Eines muss man dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber lassen: Die Linie, auf die er sich zwecks Eroberung der Macht hat festlegen lassen, hält er eisern durch. Nach wie vor richtet der CSU-Mann sein Hauptaugenmerk darauf, der Gegenseite keine Haken und Ösen zu bieten, an denen ihre Kampagne ansetzen könnte. Beim Kleinen CSU-Parteitag in Fürth hat man folgerichtig einen CSU-Vorsitzenden erleben können, der die eigene Partei nicht mit den üblichen Verbalverbeugungen vor konservativer Denkungsart, sondern ausschließlich mit Attacken gegen die Regierung aufgemuntert hat. Ebenso folgerichtig, dass jetzt des Kandidaten Wirtschaftswunderknabe Lothar Späth Opfer dieser Teflon-Strategie geworden ist. Der hat die Vorschläge der vom Kanzler berufenen Hartz-Kommission ein bisschen zu überschwänglich gelobt. Das passte nicht ins Konzept. Denn Hartzens Vorschlägen – was immer man inhaltlich darüber sagen mag – haftet der Ruch des milde Revolutionären an. Nun redet die Union gerne und oft davon, dass die Zeit für Taten gekommen sei. Sie redet aber weit weniger gern über diese Taten, weil es sein könnte, dass allzu konkrete Veränderungsbestrebungen den scheuen Wähler verschrecken. Darum ist Lothar Späth zurückgepfiffen worden und hält sich jetzt brav an die ausgegebene Sprachregelung: Hartzens Vorschläge seien so-so, la-la, man müsse sich damit aber gar nicht befassen, weil die Hartz-Kommission bloß ein Beweis für die rot-grüne Untätigkeit in den letzten vier Jahren sei. Derlei Globalkritik erspart jede weitere Auseinandersetzung mit den konkreten Vorstellungen. Neulich hat der Kanzlerkandidat Stoiber in einer Grundsatzrede beklagt, es gebe hierzulande zu viele Diskussionsverbote. Der Mann hat ja so was von Recht! Er hätte sich die Grundsatzklage aber vielleicht besser verkniffen. Nicht dass ihn noch jemand selbst daran misst! bib

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