Die Rettung für die Hauptstadt : Berlin steht auf norwegischer Erde

Nichts klappt in Berlin, selbst auf die Kultur und die Künstler ist kein Verlass mehr. Harald Martenstein befasst sich mit einem Vorschlag aus Norwegen: Warum Berlin nicht zu einer Kronkolonie der reichen Skandinavier machen?

von
Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Der Sänger Usher wollte in Berlin auftreten, in der O2-Arena. 13 000 Leute wollten ihn sehen. Am ersten Abend kam Usher gar nicht. Am zweiten Abend kam er verspätet, er sah krank aus und brach das Konzert nach einigen Minuten ab. Dies ist normalerweise nicht seine Art. Mit anderen Worten, allmählich beginnen sich die Künstler, die nach Berlin kommen, dem Verhalten der hiesigen Verkehrsbetriebe anzupassen. Sie kommen zu spät oder gar nicht oder haben unterwegs eine Havarie. Das Virus hat jetzt auch die Kultur erfasst, mein Gott, wenigstens die Kultur ist doch immer noch unsere Stärke gewesen.

Die Diskussionen über die Zukunft Berlins gehen weiter. In der vergangenen Woche wurde an dieser Stelle angeregt, Berlin aus dem Bundesgebiet herauszulösen und der Stadt einen Sonderstatus zuzuweisen, ähnlich wie ihn Washington in den USA besitzt. Berlin könnte direkt vom Bund regiert werden. Diese Maßnahme ist notwendig, weil die Berliner Politiker überfordert sind und die Infrastruktur der Stadt verfällt – perfekt funktioniert eigentlich nur das Geldausgeben und der Sektnachschub bei Partys.

Nun erreicht uns dazu ein ernst gemeinter Vorschlag, er kommt aus Norwegen, wo der Tagesspiegel ebenfalls Leser besitzt. Herr Gynt aus Oslo hält es für denkbar, dass Berlin den Status einer norwegischen Kronkolonie erhält. Norwegen ist, dank Öl und Gas, ein reiches Land, dem es ein Leichtes sei, die gewaltigen Schulden Berlins zu tilgen. Territoriale Ansprüche seien historisch begründbar, da ein großer Teil des märkisches Sandes aus den Hinterlassenschaften eiszeitlicher Gletscher bestehe, die skandinavischen Ursprungs sind. Berlin steht auf norwegischer Erde.

Der Leser betont, dass die Berliner, neben ihren Schulden und ihrer Elite, mit einem Schlag auch den Euro los wären. Mit der norwegischen Krone besäße die Stadt eine Währung, die über jeden Zweifel erhaben ist. Herr Gynt weist auch auf die Bereicherung hin, die das norwegische Königshaus für die Berliner Medien bedeutet. Als einziger Flughafen in weitem Umkreis wäre Schönefeld im Winter eisfrei, sogar der Flughafen von Spitzbergen am Polarkreis wird von den Norwegern ja eisfrei gehalten.

Offen ist die Frage, welchen Vorteil das als Kolonialmacht unerfahrene Norwegen von seiner neuen Besitzung hätte, die Vorteile für Berlin sind offensichtlich. Das warme Sommerwetter? Der Wannsee? Der Leser glaubt, dass Norwegen Eintritt verlangen werde für die pulsierende, interessante Weltstadt unter seiner Regie, vielleicht gibt es dann eine neue Mauer, eine Zollmauer. Aber mit Mauern und mit Fremdherrschaft haben die Berliner genügend Erfahrung, das halten sie aus, auch Usher hält das aus.

25 Kommentare

Neuester Kommentar