Meinung : „Die schönste Aufgabe der Branche“

Klaus Kurpjuweit

Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt dem neuen Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz nicht. Gestern hat der 49-Jährige den Posten übernommen, und bereits in wenigen Tagen wird die schriftliche Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts zum Ausbau Schönefelds auf seinem Schreibtisch liegen.

Dass die Richter ihm einen harten Brocken servieren werden, dürfte klar sein. Bereits in der mündlichen Urteilsbegründung zu den – abgewiesenen – Klagen gegen den Ausbau haben die Richter erklärt, dass es Flugbeschränkungen in der Nacht geben wird. Der wirtschaftliche Erfolg des neuen Flughafens wird davon abhängen, wie weit die Auflagen des Gerichts gehen werden.

Hier gilt Schwarz als richtiger Mann am richtigen Ort. Er kommt aus der Branche und wird als erfahrener Experte bezeichnet. Acht Jahre lang arbeitete der Vater von zwei Kindern beim Flughafen München, danach war er Geschäftsführer der Flughäfen in Nürnberg und Düsseldorf, wo er zuletzt Vorsitzender der Geschäftsführung war.

Dort hat er sich mit einer positiven Bilanz verabschiedet. Unter seiner Führung hat der vorher rote Zahlen schreibende Flughafen die Gewinnzone erreicht. Auch ein Passagierrekord kündigt sich an. Düsseldorf und Berlin rangeln sich um die dritte Position bei den Passagierzahlen der deutschen Flughäfen – hinter Frankfurt am Main und München, die weit vorn liegen. Zuletzt hatte Berlin die Düsseldorfer knapp hinter sich gelassen.

Dies war vor allem auch ein Verdienst des Vorgängers von Schwarz, Dieter Johannsen-Roth, der aus Altersgründen ausgeschieden ist. Er hatte die vor sich hin dümpelten Berliner Flughäfen zum Marktführer bei den Billigfluglinien in Deutschland gemacht. Schwarz muss den Weg nun fortsetzen. Der Plan ist ehrgeizig, denn zum Ausbau des Zwei-Milliarden-Projekts in Schönefeld zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) muss die Flughafengesellschaft selbst 440 Millionen Euro aufbringen.

Da müssen auch weiter Kosten gesenkt werden. Unpopuläre Maßnahmen, etwa Ausgründungen von Unternehmensteilen, hat Schwarz in Düsseldorf nach mühsamen Verhandlungen durchgesetzt. Ob er auch Tempelhof schnell schließen will, wie sein Vorgänger, hat er noch nicht gesagt. Fest steht für ihn aber: „In Berlin habe ich die spannendste Aufgabe, die es in dieser Branche gibt.“ Er muss sie nur noch lösen.

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