Meinung : Die Schuld vom Lande

Auch die ostdeutsche Provinz ist nicht vor Islamisten sicher

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Von Frank Jansen

Cottbus kommt selten in die Schlagzeilen. Doch nun sollen dort Islamisten Terror gegen Flughäfen geplant haben. Nicht in einer Metropole mit großem Ausländeranteil, sondern in einer Kleinstadt in der östlichen, als ausländerfeindlich geltenden Provinz. Der Glaube, eine Zelle wie die des Selbstmordpiloten Mohammed Atta könne nur in Großstädten wie Hamburg agieren, ist erschüttert. Einer der Terrorflieger des 11. September, der Libanese Ziad Jarrah, hatte längere Zeit in Greifswald verbracht, einer mit Cottbus vergleichbaren Kommune im Osten. Dass Generalbundesanwalt Kay Nehm am Sonntag bekannt gab, der Tatverdacht gegen die fünf Männer aus Cottbus habe sich nicht erhärtet, ist kaum als Entwarnung zu verstehen.

Vermutlich hat der Bericht im Nachrichtenmagazin „Focus" die Ermittlungen gestört, bevor gerichtsfeste Beweise vorlagen. Das ist ärgerlich, dennoch führt der Fall zu einer überfälligen Erkenntnis: Keine Region in Deutschland, mag sie noch so entlegen sein, ist vor islamistischen Terroristen sicher. Vielmehr ist zu befürchten, dass überall dort, wo eine muslimische Gemeinschaft existiert, auch ein paar Fanatiker dabei sind.

Das kann Folgen haben: Mit jeder weiteren bewiesenen oder vermuteten Bedrohung wächst für die hier lebenden Muslime die Gefahr, unter Generalverdacht zu geraten. Davon profitieren, gerade im Osten, rassistische Demagogen. Ihr Hass treibt aber wahrscheinlich noch mehr junge Muslime in die Arme jener Prediger, die den „Ungläubigen" Tod und Verdammnis wünschen. Gegen diesen Kreislauf der Ressentiments müssen sich muslimische und nicht-muslimische Demokraten gemeinsam zur Wehr setzen.

Dazu gehört es, die leider notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wie die Rasterfahndung mit (kritischem) Verständnis zu begleiten. Es ist nicht auszuschließen, dass erst dank dieser weitflächigen Personenkontrolle potenzielle Terroristen erkannt wurden, womöglich auch in Cottbus. Die Sicherheitsbehörden sagen wenig zur Trefferquote der Rasterfahndung. Was nicht heißt, sie könnten nur Belangloses berichten. Schon die Logik des Terrors spricht dagegen: Jede Region wird von den militanten Islamisten auf ihre Eignung für die ungefährdete Planung von Anschlägen untersucht. Warum sollte sich dann die Fahndung auf punktuelle Maßnahmen beschränken? Greifswald und Cottbus zeigen: Unverminderte Wachsamkeit bleibt geboten.

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