Meinung : Die Sonne und du

Von Paul Janositz

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Machen wir’s der Sonne nach, die seit Milliarden Jahren unermüdlich Licht und Wärme erzeugt. Der im Innern unseres Zentralgestirns ablaufende Prozess scheint simpel: durch Verschmelzung von Wasserstoffkernen Energie gewinnen. Den Sonnenprozess auf der Erde nachzumachen, ist jedoch schwierig. Man kann mit Recht von einem der kompliziertesten technischen Prozesse sprechen, der jemals versucht wurde. Die richtigen Atomsorten für die Fusion auswählen, eine Technik finden, um das Gemisch auf bis zu 200 Millionen Grad Celsius zu erhitzen. Materialien herstellen, die das aushalten. Dann das Fusionsfeuer nicht nur anzuzünden, sondern auch in Gang zu halten. Das klappt jetzt, doch müssen noch unendlich viele Feinheiten geklärt werden.

Dazu dient Iter, um dessen Standort vier Jahre gestritten wurde. Dass er nun nach Frankreich, nicht nach Japan, kommt, ist vernünftig, haben doch europäische Forscher am meisten zur Entwicklung dieser Technologie beigetragen. Es geht nicht nur ums Prestige, sondern auch um viel Geld. Eine Unmenge an Aufträgen wartet auf Firmen und wissenschaftliche Institute. Nicht umsonst werden 30 Jahre für Planung, Bau und Betriebszeit veranschlagt. Wenn sich die Fusion als wirtschaftlich konkurrenzfähig und technisch sicher erweist, gibt es für die Nach-Öl-und-Gas-Zeit eine Option mehr. Wer nicht auf klimaschädliche Kohlekraftwerke oder riskante Kernkraftwerke setzen will, wird sich freuen. Erneuerbare Energien aus Wind, Wasser und Sonne können nur die bunten Tupfer sein, die die Grundversorgung per Fusion ergänzen.

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