Meinung : Die SPD will „Gleichmacherei“ bei Lehrern

„Scheeres drängt auf Reform für Referendare“ vom 5. Dezember

Es ist sehr verdienstvoll, dass der Tagesspiegel über das von der SPD geplante Gesetz zur Ausbildung der Lehrer für die Sekundarstufen I und II berichtet hat. Zwar haben SPD und CDU wegen ihrer gegensätzlichen Auffassungen im Schulbereich für die Zeit ihrer gemeinsamen Regierung ein Stillhalteabkommen vereinbart. Trotzdem versucht die Schulsenatorin immer wieder, ihre ideologisch begründete Ansicht einer inhaltsgleichen Masterausbildung für ISS- und Gymnasiallehrer gegenüber den Unis, der Wirtschaft, dem Lehrerverband der Gymnasiallehrer und der CDU durchzusetzen.

Obwohl mehrere Bundesländer und viele Professoren mit der Einführung der in Bologna beschlossenen Universitätsabschlüsse Bachelor und Master wegen des niedrigen wissenschaftlichen Niveaus und ihrer Unangepasstheit an die deutsche Berufsstruktur sehr unzufrieden sind und deswegen zu den bewährten Universitätsabschlüssen zurückkehren, versuchen SPD und Grüne ohne Rücksicht auf diese gegenläufige Entwicklung und das unterschiedliche Unterrichtsniveau von ISS und Gymnasium ihre „Gleichmacherei“ legislativ durchzusetzen. Das ist deswegen für Berlin so schlimm, weil das Berliner Schulniveau aus vielerlei Gründen das niedrigste oder zweitniedrigste in der Bundesrepublik ist. Berliner Schüler liegen bekanntlich laut Statistik leistungsmäßig etwa zwei Jahre hinter denen aus Bayern zurück. Und jetzt soll nach den Plänen der Schulsenatorin das Ausbildungsniveau der Gymnasiallehrer für die Sekundarstufe II auf dasjenige der Sek.-I-Lehrer gesenkt werden. Jeder erfahrene Gymnasiallehrer weiß, welche enormen Probleme Realschullehrer, deren Ausbildung etwa der eines Sek.-I-Lehrers entspricht, mit den wissenschaftlichen

Anforderungen des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe und besonders bei der Vorbereitung des Abiturs haben. Aus diesem Grunde waren die Realschullehrer ja auch nur mit Einschränkung zur Abhaltung von Abiturprüfungen

zugelassen.

Außerdem erfordert die so unterschiedliche Zielsetzung von ISS und Gymnasium eine entsprechend unterschiedliche Ausbildung der Lehrkräfte. Während die ISS die vorrangige Aufgabe hat, ihre Schülerinnen und Schüler auf die duale berufliche Ausbildung in einem Beruf vorzubereiten, ist es das Ziel der Oberstufe des Gymnasiums, seine Schülerinnen und Schüler zur Hochschulreife zu führen. Das erfordert bei der Ausbildung der Gymnasiallehrer allein von der Zielsetzung her eine völlig andere, nämlich eine spezifisch fachwissenschaftliche Ausrichtung. Einen Ausbilder für Optik kann ich doch auch nicht sinnvoll für Holzbearbeitung einsetzen!

R. Wieckert (OStR), B. Sturm (StR),

A. Badinski (Stud. Ref.),

L. Schiffler (Prof. für Didaktik), Berlin

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