Meinung : Die Spur der Schlangen

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Warum lässt der Mensch das Rauchen nicht? Der Raucher, und ganz besonders der in Frankreich, muss vor jedem Griff zur Zigarette harten Drohungen ins Auge sehen, die auf der Zigarettenschachtel groß und schwarz umrahmt einen „langsamen und schmerzhaften Tod“ ankündigen. Pariser Tabakhändler kennen die Frage: „Haben Sie noch ein Päckchen, das nicht tötet?“ Sie haben nicht, gekauft und geraucht wird trotzdem. Warum entwickeln die Raucher nicht genug Angst, vor dem Rauchen? Weil unser Angstgedächtnis seit 11 Millionen Jahren von den falschen Objekten blockiert ist. So lange nämlich, hat der Rostocker Biologe Ragnar Kinzelbach entdeckt, wurzelt die Angst vor Spinnen und Schlangen tief in uns. Sie war vernünftig, seinerzeit, als wir in Stammesgruppen Afrika durchstreift haben. Wer sich nicht fürchtete, wurde gebissen, starb und pflanzte sich nicht fort. Es überlebten die Ängstlichen, bis heute. Nur eben: mit der falschen Angst. Seit hundert Jahren ist in Deutschland niemand mehr an einem Kreuzotterbiss gestorben. Eine Aufgabe für die Verhaltenstherapie, die Ängste vertreiben kann. Dass dabei manchmal die eine Angst nur auf eine andere verschoben wird, wäre in diesem Fall das erwünschte Nebenprodukt. Schlangen winden sich um unsere Hand, die Zigaretten ängstlich meidet.tib

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