Meinung : „Die Studie hat methodische Schwächen“

Cordula Eubel

Auf eines ist Bert Rürup besonders stolz: Seine Zahlen hat noch nie jemand ernsthaft anfechten können – auch wenn der Ökonom und Regierungsberater sich oft genug mitten aufs politische Schlachtfeld gewagt hat. Auch bei seinem aktuellen Auftrag wird der Chef der Wirtschaftsweisen deshalb sorgsam darauf achten, dass er sich nicht angreifbar macht. Für die Bundesregierung soll Rürup gemeinsam mit einem Wissenschaftlerkollegen ein Gutachten vorlegen, das bewertet, ob einzelne Bundesländer durch die Gesundheitsreform theoretisch mit Milliardensummen belastet werden könnten oder nicht.

Ein heikler Auftrag – machen doch gerade die Südländer Bayern und Baden-Württemberg mobil gegen die Pläne von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Im Bundesrat drohten sie sogar mit einem Nein zur Gesundheitsreform, mit Verweis auf das Gutachten eines bisher allerdings eher unbekannten Kieler Ökonomen. Dass er von dessen Expertise wenig hält, daraus macht Rürup kein Hehl. Die Studie habe auf den ersten Blick methodische Schwächen, lautet sein klares Urteil.

Wie man in der Gesundheitspolitik auf vermintem Gelände überleben kann, hat Rürup vor zwei Jahren erprobt. Während sich die Schwesterparteien CDU und CSU einen heftigen Kampf über die Kopfpauschale lieferten, legte Rürup ein durchgerechnetes Gutachten zu deren finanziellen Auswirkungen vor. Zahlenmaterial, auf das sich später auch Unionspolitiker stützen – sowohl Befürworter als auch Gegner der Pauschale.

Aus der Politik gab es immer mal wieder Versuche, Rürup als befangen zu kritisieren. Doch dass er SPD-Mitglied ist, hat ihn nicht daran gehindert, auch die Politik der Sozialdemokraten zu verurteilen, wenn er sie für ordnungspolitisch fragwürdig hält. Der 63-jährige lehrt seit 1976 Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Darmstadt und ist seit 2000 Mitglied der fünf Wirtschaftsweisen. Im Gegensatz zu vielen seiner Wissenschaftlerkollegen hat er den pragmatischen Kontakt zur Politik nie gescheut.

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